Der DEFA-Propagandafilm "Schaut auf diese Stadt" von Regisseur Karl Gass erschien 1962 zum ersten Jahrestag der Berliner Mauer. Er zeigt aus ostdeutscher Perspektive die Unterschiede zu West-Deutschland. Mit dem Satz „Ihr Völker der Welt. Schaut auf diese Stadt“ wollte der Westberliner Oberbürgermeister Ernst Reuter am 9. September 1948 auf das Schicksal seiner Stadt aufmerksam machen. Diesen pathetischen, oft zitierten Satz, verwendet Karl Gass ironisch als Titel für seinen Film, der ein negatives Bild von Westberlin aus Sicht des DDR-Staates zeigt. Der Film beginnt mit einer polemischen Montage: Während in West-Berlin Militärfahrzeuge, Panzer und Soldaten der US-Armee und der anderen westlichen Alliierten patrouillieren, ist der Osten vom friedlichen Aufbau erfüllt: Die Zuschauer sehen Hörsäle, einen Staudamm, Felder, Braunkohlentagebaue und Arbeiter, die nach der Schichtihre Fabrik verlassen. “Schaut auf diese Stadt” will beweisen, wie sehr dieser friedliche Aufbau von West-Berlin bedroht wird. Die Halbstadt, ein “Pfahl im Fleisch der DDR”, wird als Hort von Unkultur, Schiebern, Saboteuren und Agenten, Sexbars und moralischem Verfall dargestellt. Adenauer und Strauß, Ernst Reuter und Willy Brandt seien Helfershelfer der “Kriegstreiber” und Revanchisten. Ein perfekt montierter, aus einer Fülleselten gezeigter Szenen zusammengestellter Propagandafilm mitten aus dem Kalten Krieg, der sich am Ende zu einer uneingeschränkten Zustimmung zum Mauerbau emporschwingt. Gezeigt werden jubelnde DDR-Männer und -Frauen, die den Kampfgruppen zuwinken. Für die Tränen und das Leid, das die Mauer über die Menschen diesseits und jenseits des Stacheldrahtes brachte, blieb dabei keinerlei Raum. Im Sommer 1961 noch vor dem Mauerbau begonnen, wird derFilm nach diesem historischen Ereignis zu einer Erklärung dafür, warum es so, wie es bisher war, nicht mehr weiter gehen kann.
Genres:
Doku
Darsteller:
Karl Gass
Werner Höhne
Eberhard Mellies
Georg Thies
Jean Kurt Forest