- Umfang/Format: 431 Seiten ; 8
- Anmerkungen: Literaturverz. Seiten 424-426
- Erscheinungsjahr: 1973
Manfred Wekwerth hatte als junger Lehrer in Köthen 1951 mit einer Laienspielgruppc Brechts Stück »Die Gewehre der Frau Carrar» inszeniert und sich Brecht mit dieser Inszenierung auf der Probebühne des Berliner Ensembles vorgestellt. Wekwerth und einer der Darsteller dieser Aufführung waren sofort engagiert worden. Zu Brechts Lebzeiten brachte Wekwerth als eigene Inszenierungen am Berliner Ensemble das chinesische Volksstück »Hirse für die Ahte« 1954) und zusammen mit Peter Palitzsch Synges »Held der westlichen Welt« (1956) heraus. Nach Brechts Tod inszenierte er mit Peter Palitzsch die »Optimistische Tragödie« 1958), den »Aufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui« (1959) und »Frau Flinz« (1961), mit Joachim Tenschert »Die Tage der Commune« (1962) . . . Die Inszenierungen zeigten das Berliner Ensemble als ein Theater in der Entwicklung, dessen Aufgaben bestimmt waren von den politischen Problemen der Gegenwart und der Notwendigkeit, dem wachsenden gesellschaftlichen und historischen Bewußtsein der Erbauer des Sozialismus entsprechende schöpferisch-aktivierende theatralische Vergnügungen zu entdecken. Wekwerth suchte sich deshalb nicht Stücke aus, die zu einer bestimmten »Handschrift« paßten, sondern solche, in denen er seine Position als Staatsbürger der DDR in den Klassenausehiandersetzungen unserer Zeit manifestieren und dabei bisher unbewältigte Probleme der Brechtschen Spielweise in Angriff nehmen konnte. Ja, gerade daraus erwächst letztendlich seine »Handschrift«: die szenische Einmaligkeit jeder Inszenierung, ihren theatralischen Reiz und Reichtum zu gewinnen aus der tieflotenden Beschäftigung mit dem Stück, seinen philosophischen, politischen und theatermethodischen Aufgabenstellungen. Dieses Programm wird in minutiös ausgearbeiteten, immer unverwechselbar ablesbaren, gesellschaftlich aussagestarken Szenenarrangements und im Figurengestus lebendig, bei denen vor allem die Dialektik der Geschichte und des Lebensalltags deutlich
herausgearbeitet wird. Wekwerths wichtigste Stütze bei der Arbeit ist das Kollektiv. Das beweisen die Doppelregion und die von ihm ständig praktizierte Kooperation mit den »Schwesterkünsten«. Ebenso bestimmend für seine Arbeitsweise ist eine Wissenschaftlichkeit, die auf tiefgehender Beschäftigung mit den Grundproblemen der Weltpolitik und des sozialistischen Aufbaus in der DDR, auf dem ständig erneuten Studium der Klassiker des Marxismus-Leninismus und 'der kunsttheoretischen Ansichten Brechts sowie anderer sozialistischer Künstler (vor allem Wischnewski und Mej erhold) aufbaut. Diese Aufgeschlossenheit wird ergänzt durch intensive Auseinandersetzungen mit aktuellen Problemen der marxistisch-leninistischen Philosophie sowie anderer Wissenschaftszweige. Gerade weil sich Wekwerth ständig als ein hochgebildeter sozialistischer Regisseur vervollkommnet, initiiert er in seinem Schaffenskollektiv ein, gleichgerichtete schöpferische Unruhe und Produktivität, die er für seine Arbeit benötigt und die zeitweilig die Tendenz zu einer die Zahl der Experimente verringern- -
den Ausdehnung der Vorarbeits- und -
Probenzeiten für die Inszenierungen erbrachte. Er, der Schüler, wurde selbst zum Lehrer — auch für eine neue Generation junger Regisseure. Auf der künstlerischen Methode und dem Arbeitsstil seines Lehrjs aufhauend, eroberte sich Wekwerth in kurzer Zeit einen Platz in der ersten Reihe der europäischen Regisseure.
gepflegtes Exemplar, nur kleine Lesespuren
- Verlag:
- Berlin : Henschelverl.
- Artikelnummer:
- B00036978
- Gewicht:
- 400 gr