Antiquariat Artemis
Favoriten

Sammmlung Reinhard des Arts. Katalog zur Auktion

Gewicht: 0.4 kg

Sofort lieferbar

11,70 €
inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Auktionskatalog der Sammlung Reinhard des Arts,

Rolf Nesch
und die große Stunde der Grafik in Hamburg
Schon als junger Soldat im Ersten Weltkrieg fiel Rolf Nesch seinem Vorgesetzten, Vincent Krogmann, durch Zeichnungen auf, die Nesch im Frühjahr 1916 in den Schützengräben vor Verdun schuf. Es handelte sich nicht um »Kriegszeichnungen« im eigentlichen Sinne, denn ihre Motive hielten keine dramatisch-zerstörerischen Kriegsereignisse fest, vielmehr umschrieben sie die bitteren Stimmungen, die das Kriegsgeschehen auslöst. »Tote«, »die Müden« (im Fort Douaumont), »Durchnäßt«, »Stacheldraht« sind Titel solcher Blätter. Noch Jahre nach Kriegsende erschienen diese eindrucksvollen Zeichnungen auf Postkarten. Ihr Verleger konnte Krogmann, dem ersten, schon im Krieg gewonnenen Mäzen von Nesch, dessen Adresse in Dresden verraten. Erst 1919, aus englischer Kriegsgefangenschaft dorthin zurückgekehrt, hatte man Nesch an der Kunstakademie ein Atelier eingeräumt. Obwohl seit ihrer Begegnung im Krieg Jahre vergangen waren, brachten gute Erinnerungen an Nesch und seine Kunst Krogmann zu dem Entschluß, ihn 1922 in Dresden zu besuchen. Krogmann wollte Nesch unterstützen und lud ihn nach Hamburg ein.
Am 7. November 1893 in Oberesslingen geboren, hatte Nesch nach einer harten Jugend — »seit dem siebten Lebensjahr nichts als Schmach und Schande, Elend, Gefangenschaft, ...« — versucht, seine natürliche Begabung durch Studien an der Kunstgewerbeschule und Kunstakademie in Dresden auszubilden. Die Einberufung zum Heer unterbrach diese Bestrebungen. Später, in Berlin, geriet der Künstler durch die schnelle Geldentwertung in der ersten Inflation in große Not, Nesch wurde zu einem »wahren Hungerleider«. So waren seine oft wiederholten Besuche in Hamburg mitunter geradezu lebensnotwendig, zumal dort Freunde manches Opfer auf sich nahmen, um den Künstler materiell zu unterstützen.
Das Fristen seines Lebens war jedoch für Nesch lediglich eine Voraussetzung dafür, was er als den eigentlichen Sinn seines Daseins empfand, einem ihm vom Schicksal auferlegten Schaffensdrang zu folgen. Nesch suchte mit einem imponierenden Impetus und einem erstaunlichen Durchhaltewillen, sein »Eigenstes« zu finden. Dieses »Eigenste« glaubte Nesch dann zu erreichen, wenn ihm eine Bereicherung der Bilderscheinung durch Erneuerung und Erweiterung von Drucktechniken (nicht durch Veränderung seiner Maltechnik, das Malen gab Nesch bald ganz auf) gelingen würde.
Gerade für die Förderung dieser kreativen Absichten bot aber Hamburg die besten Voraussetzungen. Denn in Hamburg gab es in den zwanziger Jahren so viele Sammler und Kenner moderner Kunst, insbesondere so viele geradezu leidenschaftliche Liebhaber zeitgenössischer Grafik, wie an keinem anderen Ort. Weil Nesch einen einsahen Weg ging, indem er mehr und mehr in bis dahin unbekannte Ausdrucksbereiche grafischer Kunst vordrang, brauchte er das bestätigende Verständnis und Einverständnis von Freunden. Er brauchte Freunde, die bei seinen kühnen Vorstößen vom Wert seiner ungewöhnlichen Bildlösungen überzeugt waren. Krogmann hatte Nesch zwar nach Hamburg geholt, als Nesch jedoch den Stil seiner frühen Arbeiten im Streben nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten entscheidend wandelte, vermochte ihm
 

gutes Exemplar, ordentlich

Artikelnummer: B00069910
Verlag:
Hauswedell & Nolte, Hamburg 1985
broschiert,
Artikelnummer:
B00069910
Gewicht:
400 gr