- Umfang/Format: 138 Seiten ; 21 cm
- Erscheinungsjahr: 1988
- Schlagwörter: Bibelarbeit, ; Deutscher Evangelischer Kirchentag (Veranstaltung) ; Beispielsammlung
Die Geschichte vom Verlorenen Sohn, das Vierte Gebot »Ehre deinen Vater und deine Mutter«, die Verheißung des Propheten Jesaja von einem Auserwählten, der auf Erden das Recht aufrichten werde, und die Geschichte vom Neuen Bund, den Gott nach dem Strafgericht der Sintflut mit Noah eingegangen ist — vier Bibeltexte, deren Botschaften erschöpfend ausgelegt und ausgebeutet worden zu sein scheinen.
Hartmut von Hentig nimmt es erneut mit ihnen auf. Als einer, der sich bemüht, Christ zu sein, als Nicht-Theologe, als kritischer Intellektueller und lebensnaher Pädagoge zeigt er, daß die Texte der Bibel eines Buchs »von Menschen über Menschen« — im Licht heutiger Fragen einen überraschend neuen Sinn gewinnen. Daß ihre Wahrheit, ihre Forderungen, ihre dramatischen Erfahrungen und ärgerlichen Widersprüche unsere Gegenwart unmittelbar angehen. Daß aus ihnen nicht nur die Christen eine Stütze für ihren Glauben an Gott, sondern wir alle Stoff für den Glauben an den Menschen bekommen.
Die Geschichte vom Neuen Bund zwischen Gott und Noah erweist sich als ein Schlüsseltext für ein verändertes, geläutertes, erwachsenes Verhältnis zur Schöpfung. Die Geschichte vom Verlorenen Sohn wird zum Gleichnis der verlassenen Grund-Ordnung, der Verlorenheit einer Gesellschaft, die keine Väter mehr hat. Der Jesaja-Text verheißt, daß der Retter des Menschen der Mensch ist und daß es dazu der Macht nicht bedarf — die Auslegung mündet folgerichtig in Zehn Geboten für den Umgang mit Kindern. Das Gebot »Ehre deinen Vater und deine Mutter« will fortan der Weisheit gegenseitiger Achtung zwischen Alten und Jungen dienen.
Überzeugt, daß ein gemachter, erzwungener oder vorgetäuschter Glaube schlechter ist als gar keiner, daß Gott gleichsam mit der Aufklärung ist, seit er nicht mehr durch Zeichen und Wunder zu uns spricht, und daß Rettung für unsere Welt nur aus unserer Vernunft, unserer Verstehenskraft, unserer Verantwortung zu erwarten ist, hat Hartmut von Hentig die Bibel politisch gelesen — als Quelle weltlichen Rats und weltlicher Zuversicht. Daß dies geht, ist selber Verheißung.
Hartmut von Hentig, geboren 1925, Pädagoge an der Universität Bielefeld, bis zum Herbst 1987 Wissenschaftlicher Leiter der Laborschule und des Oberstufen-Kollegs des Landes Nordrhein-Westfalen. Sein Werk im Carl Hanser Verlag: Die entmutigte Republik, 1980; Aufgeräumte Erfahrung, 1983; Ergötzen, Belehren, Befreien. Schriften zur ästhetischen Erziehung, 1985; Das allmähliche Verschwinden der Wirklichkeit, 3. Auflage 1987; Was ist eine humane Schule?, 7. Auflage 1987; Arbeit am Frieden. Übungen im Überwinden der Resignation, 1987.
gepflegtes Exemplar, nur kleine Lesespuren
- Verlag:
- München ; Wien : Hanser
- Taschenbuch
- Artikelnummer:
- B00045870
- Gewicht:
- 400 gr