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Gräber, Särge
B. Mumien
Wenige Arten archäologischer Fundstücke sprechen uns so an wie die Überreste von Menschen, sei es, daß sie mumifiziert, fossilisiert oder nur einfach als Schädel oder Skelette auf Bestattungsplätzen in der ganzen Welt erhalten sind. In Fällen wie Pompeji oder dem des Mannes vom Similaun-Gletscher zeigen uns die im Moment des Todes festgehaltenen Körper einen Schnappschuß, die Momentaufnahme eines Augenblicks in ferner Vergangenheit. Gräber dagegen sind ein geplantes Arrangement mit dem Tod, wodurch die ganze Welt, in der unsere Vorfahren lebten, heraufbeschworen werden kann; die Form der Bestattung wirft ein Streiflicht auf den Glauben und die Rituale der Zeit. Wir können vom Schmuck, den die Toten tragen, und von den Schätzen, die mit ihnen vergraben wurden, auf ihren Reichtum und die gesellschaftliche Position schließen, die sie innehatten; und wir können am Zustand ihrer Zähne und Knochen ihren Lebensstil rekonstruieren. Unter besonders günstigen Umständen wie extrem trockener sowie dauernd gefrorener oder feuchter Umgehung bleiben die Toten insgesamt erhalten und können so eine Fülle von Informationen über ihre Ernährung, ihre Gesundheit und die Beschaffenheit ihres Erbgutes preisgeben. Dabei handelt es sich nicht nur uni Könige und Pharaonen, Priester und Prinzessinnen - die Archäologie beschäftigt sich auch mit den sterblichen Überresten der Opfer von Naturkatastrophen und kultischen Opfern, von Schlachten, Stürmen und Seuchen.
Über alle Kontinente hinweg bewegen wir uns von Lucy, der drei Millionen Jahre alten Australopithecinen aus Äthiopien, bis zum gerade halb so alten Javamenschen. Die ChinchorroMumien aus dem Norden Chiles sind Jahrtausende älter als die Ägyptens; die Einbalsamierung wurde bei den Herrschern von Fujiwara bis ins 11. Jahrhundert n. Chr. angewandt. Es gibt Stätten von Opfern zu Ehren der Könige auf dem Friedhof von Ur, Stätten priesterlicher Opfer in der Ägäis, und nahe den Gipfeln der Anden wurden die Körper kleiner Kinder gefunden, die dort ausgesetzt worden waren, um die Götter gewogen zu machen. Es gibt Beweise für ein jungsteinzeitliches Massaker im Massengrab von Talheim in Deutschland und für Todesfälle durch Gewalt unter den Moorleichen Nordeuropas. Aus unserem Jahrhundert stammen die in einer Grube hei Jekaterinburg gefundenen Skelette, die das tragische Ende der Romanows durch die Hand von Bolschewiken im Jahr 1918 bezeugen. Indem wir 50 gut dokumentierte Fundstellen von Leichnamen und Gräbern in der ganzen Welt untersuchen, schreiten wir durch 50 Türen in die Vergangenheit und erhalten dabei eine Fülle faszinierender Informationen.
gutes Exemplar, ordentlich
- Verlag:
- Bechtermünz 1997
- Artikelnummer:
- B00053208
- Gewicht:
- 1900 gr