- Umfang/Format: 276 Seiten : Kt. ; 22 cm
- Erscheinungsjahr: 1993
- Einbandart und Originalverkaufspreis: fester Pappeinband : DM 38.00
- Sachgebiet: Politik
- Schlagwörter: Nord-Süd-Konflikt
146 vor Christus: Rom schleift die Mauern Karthagos — 1989: das Reich des realexistierenden Sozialismus bricht zusammen.
Zwei beliebige, auswechselbare Daten im Strom der Geschichte? Jean-Christophe Rufin sagt: nein. Zweimal in zweitausend Jahren endete eine globale Feindschaft. Die zwischen Rom und Karthago beherrschte zweihundert Jahre die Welt am Mittelmeer. West und Ost standen sich zwar kaum ein halbes Jahrhundert feindlich gegenüber, wohl aber fähig, die Menschheit in den Abgrund zu stürzen.
Beide Male, 146 v. Chr. und 1989, blieb der Sieger allein zurück, vollständig triumphierend, aber auch ohne den Feind, auf den sich alles bezogen hatte. In der Ellipse mit ihren zwei Polen schien die Welt geordnet. Im Offenen hingegen lebt es sich unsicher.
Die Römer fanden rasch eine neue Ideologie: Wir sind wir. Selbstbestimmung durch Ausgrenzung derer, die sich irgendwo in den nordischen Wäldern verloren oder aus den asiatischen Steppen gefährlich heranbrandeten. Wissen mußte man von ihnen nur, daß sie anders sind und eben bedrohlich: Barbaren. Angst vor den neuen Barbaren geht um unter Nordamerikanern und Europäern. In der zweipoligen elliptischen Ordnung war auch die sogenannte Dritte Welt definiert. Nun, zu Beginn der neunziger Jahre, da es nicht mehr um Einflußsphären des Ostens oder Westens geht, um Verbündete, so unsicher sie auch immer sein mochten, nun ist der Süden Lateinamerika, Asien, Afrika — zu einer Masse geworden, ununterscheidbar, bedrohlich, wohlstandsgefährdend, fremd: barbarisch. Abermals scheint Abgrenzung notzutun, und zwar im wörtlichsten Sinne: Eine Grenze gegen die neuen Barbaren muß her, wie die Römer sie mit
gutes Exemplar, Einband mit kleinen altersbedingten Spuren
- Verlag:
- Berlin : Verlag Volk und Welt
- gebundene Ausgabe
- Artikelnummer:
- L00047476
- Gewicht:
- 400 gr
- Lagerplatz:
- T12