- Ausgabe: 1. Auflage
- Umfang/Format: 470 Seiten; ; 22 cm
- Anmerkungen: Enthält: Guerillas. - Lysistrate und die NATO. - Ausg. f. d. Dt. Demokrat. Republik.
- Erscheinungsjahr: 1975
Rolf Hochhuth stellt zur Diskussion. Dies ist eine der Leitlinien seines Schaffens, und die Diskussion hat sich jedesmal prompt und andauernd eingestellt. „Biertischpolitiker" nannten ihn die einen, während die anderen seinen Mut, an Grundfesten der bürgerlichen Gesellschaft zu rühren, nicht genug bewundern konnten. Bürgerliche Kritiker haben über das Geheimnis seines Erfolges, der in jedem Falle auch ein Theatererfolg war, viel nachgedacht und dabei meistens übersehen, daß Hochhuths Dramen einem so einfachen wie bewährten Prinzip folgen, nämlich: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.
Hochhuth hat brennende politische Fragen jedesmal in dramatische Aktion umzusetzen gewußt, wobei er allerdings der Gefahr, die Rolle des Individuums in geschichtlichen Prozessen überzubewerten, nie ganz entgangen ist. So geht das Stück „Guerillas" von der Konstruktion eines „Staatsstreiches von oben" gegen die Herrschaft der reaktionären imperialistischen Minderheit in den USA aus, und so bedient sich die Komödie „Lysistrate und die NATO" des unverwüstlichen aristophanischen Komödienmotivs von der sexuellen Verweigerung, solange die Männer den menschenfreundlichen Forderungen ihrer Frauen nicht nachzugeben bereit sind. War es bei Aristophanes die Beendigung des
Krieges, so ist es bei Hochhuth die Verhinderung eines möglichen Krieges. Die kleine griechische Insel, auf der das Stück spielt, soll, nach dem Willen der Frauen, ein Ferienzentrum und nicht ein NATO-Stützpunkt werden.
Hochhuth stellt seine Fragen immer alternativ. Das, was als menschenfeindlich erkannt ist, darf so nicht bleiben. Die Welt zu ändern und zu verbessern, ziehen seine Helden aus, und dort, wo ihr Wollen illusionär ist, bleibt jedenfalls die unnachsichtige, kompromißlose Kritik dessen, wogegen sie kämpfen, sei es nun die plutokratische Oligarchie der USA oder die von ihr unterstützte borniert reaktionäre Politik in Südamerika, Griechenland oder anderswo. Wenn Rolf Hochhuth bei Gelegenheit der „Guerillas" schrieb, „politisches Theater" könne „nicht die Aufgabe haben, die Wirklichkeit — die ja stets politisch ist — zu reproduzieren, sondern hat ihr entgegenzutreten durch Projektion einer neuen", so bekannte er sich entschieden zur Gesellschaftsveränderung, die, vor allem anderen, Anliegen auch des Dramatikers sein müßte. Kritik der bestehenden bürgerlichen Gesellschaft und neue Wirklichkeitsentwürfe wie neue menschliche Verhaltensweisen: das ist es, was Rolf Hochhuth mit seinen Stükken stets zur Diskussion stellt.
ordentliches Exemplar, Einband und Buchblock mit kleinen Lesespuren, Buchblock altersgemäß gebräunt, Gesamtzustand: gut
- Verlag:
- Berlin : Verlag Volk u. Welt
- Gebundene Ausgabe
- Artikelnummer:
- B00045133
- Gewicht:
- 400 gr