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Aus der Tiefe menschlicher Sehnsucht nach einem Leben in Frieden und ein wenig Wohlstand flüchteten sich einst die Träume des unterdrückten Volkes in die Sagenwelt. Das karge Leben der Dorfbewohner des Saalkreises, gemessen am Reichtum der Herrschenden von Kirche und Staat, erweckte Wünsche, die häufig nur in Sagen Erfüllung fanden.
Die in Unwissenheit gehaltenen Menschen kannten kaum die Zusammenhänge der.sie umgebenden Natur. Der Glaube an Geheimnisvolles erklärte auf seine Weise das Wirken der Naturkräfte. Das weite Gebiet der Volkssage entstand. Das volkstümliche Er-zählgut umfaßt all die bekannter, Gestalten wie Hexen, Kobolde, Feen und verschiedene Gespenster. Wie ein Nebelschleier schwebte die „Weiße Frau" über die Felder, durch Wälder oder in alten Gemäuern. Andere seltsame Gestalten standen den Menschen teils freundlich, oft aber auch sehr feindlich gegenüber. So fliegt eine gütige Fee in Gestalt einer weißen Taube fruchtbringend über die Fluren des Saalkreises. In den ehemaligen Kohle-gruben bei Zscherben tritt die Gestalt des Grubenbesitzers als fürchterlicher Berggeist auf.
Vom zentralen Punkt des Saalkreisgebietes, dem Petersberg, gehen viele Sagen aus oder führen aus den umliegenden Dörfern zum Petersberg. Der germanische Wettergott Donar hatte einst auf diesem Berg seinen Sitz, bis im 12. und 13. Jahrhundert christliche Missionare ihn zum Teufel erklärten. Gewaltige Felsblöcke soll nun dieser Teufel nach den umliegenden christlichen Kirchen geschleudert haben.
Wie die Sage erzählt, führten einst unterirdische Gänge vom Petersberg zu einigen Dörfern der Umgebung. Ein Mönch, umwallt von weißem Haar und Bart, begab sich nachts durch diese Gänge, um das Vieh der Bauern zu pflegen.
Schramm,Hans-Joachim(Text und Ill.)
gutes Exemplar, ordentlich,
- Verlag:
- Freiheit, Halle/S. 1988
- Heft
- Artikelnummer:
- B00068300
- Gewicht:
- 400 gr