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Die nicht erloschenen Wörter : westdt. Lyrik seit 1945 ; Lyrik aus d. BRD ; Lyrik aus Westberlin / hrsg. von Hubert Witt

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  • Ausgabe: 1. Auflage
  • Umfang/Format: 495 Seiten ; 21 cm
  • Anmerkungen: Ausg. für d. Dt. Demokrat. Republik
  • Erscheinungsjahr: 1985

»Veränderungen in der Chronologie« — so heißt das erste Gedicht in dieser Anthologie. Einer »veränderten«, nämlich der umgekehrten Chronologie begegnet der Leser auch in der Aufeinanderfolge der 69 hier versammelten Autoren. Das Buch beginnt mit Ursula Krechel, Jahrgang 1947, es endet mit Wilhelm Lehmann, der von 1882 bis 1968 lebte. Wird hier eine rückläufige Entwicklung dokumentiert? Nein. Ganz im Gegenteil: Vor dem Hintergrund eines Auswahlprinzips, das sich an lyrischen Ausdrucksformen, Themen und Fragestellungen der frühen achtziger Jahre unseres Jahrhunderts orientiert, tritt das Bleibende innerhalb einer fast vierzigjährigen Lyrikentwicklung um so deutlicher hervor. Scheinbar vergessene Namen, oft nur mit wenigen Gedichten hier wieder ins Gedächtnis gerufen, bekommen einen neuen Klang. Worte, vor vielen Jahren aufgeschrieben, erweisen sich als gültig bis auf den heutigen Tag. Wie eine Mahnung wirken zum Beispiel Naturgedichte von Wilhelm Lehmann, hat man zuvor die Texte von Nicolas Born gelesen, die der Umweltgefährdung durch rücksichtslose Ausbeutung der Natur gelten. Und geben nicht die von jüngeren Lyrikern formulierten Erfahrungen mit den Illusionen der »Generation des Aufbruchs« von 1968 auch den von Wolfgang Borchert am Ende des zweiten Weltkriegs vorgetragenen dringlichen Aufrufen an eine
»verlorene Generation « angesichts neuer Kriegsdrohung eine bestürzende Aktuali tät? So kann man die vorliegende Auswahl in ihrer Rückläufigkeit auch als eine vorläufige Bestandsaufnahme lesen, die thematische Grundlinien und ästhetische Konzeptionen nicht nur in ihren Zusammenhängen zu erfassen versucht, sondern auch in ihrer nach vorn offenen Widersprüchlichkeit.
Nähert sich der Leser über einzelne Autoren der Anthologie, erwartet ihn auch hier eine aufschlußreiche Lektüre. Peter Rühmkorf, Hans Magnus Enzensberger oder Peter Schütt, Erich Kästner oder Franz Josef Degenhardt werden ihm bereits bekannt sein. Porträts von Ernst Meister oder Heinz Piontek vermitteln ihm Einblicke in verschiedene Schaffensphasen. Schließlich lernt er Gedichte von Helmut Heißenbüttel, Martin Walser oder Franz Mon kennen ... Nicht jeder Lyriker konnte berücksichtigt, nicht jeder aufgenommene gerecht präsentiert werden, die Auswahl will nicht als »Blütenlese« erscheinen. Eine Vielzahl von Stimmen und Formen sollte zu Wort kommen. Der Leser kann einen bestimmten Ton bevorzugen, aber auch die Tendenz in der Lyrik eines Landes nachvollziehen, das im Zentrum der Widersprüche unserer Epoche liegt. »Die nicht erloschenen Wörter« vermögen aus Erinnerung Funken für Künftiges zu schlagen.
 

Witt, Hubert (Herausgeber)

ordentliches Exemplar, Einband und Buchblock  mit kleinen Lesespuren, Buchblock altersgemäß gebräunt, Gesamtzustand: gut

Artikelnummer: B00030847
Verlag:
Berlin : Verlag Volk u. Welt
Artikelnummer:
B00030847
Gewicht:
400 gr