EINLEITUNG.
In den Erstlingsversuchen Shakespeares — in „Heinrich dem Sechsten" und „Titus Andronicus" — sahen wir den Dichter, wie er sich uns im Jugenddrama ernster Gattung offenbart. Die nunmehr folgenden Komödien, die ersten Erzeugnisse seines scherzhaften Geistes, stellen sich uns in mancher Beziehung als gegensätzliche Leistungen dar. Mögen sie auch einstweilen im Zeichen der Nachahmung stehen, mögen sie noch zum Teil mit technischen Mängeln behaftet sein, leugnen läßt es sich nicht, daß sie mehr als jene den geborenen Dramatiker verraten, daß sie die künftige Größe ihres Urhebers bereits ahnen lassen. Es darf' ohne weiteres zugegeben werden, daß Shakespeares dichterische Begabung zunächst dem Komischen zugewandt war, daß seine schöpferischen Neigungen von Haus aus dem Lustspiel galten. Schon in seiner Frühdichtung, auch in den erwähnten Tragödien, verrät er gelegentlich jene angeborene Neigung, verrät er den scharfen Wirklichkeitssinn jene eklatante Beobachtungsgabe, die von jeher das wesentlichste Rüstzeug des Lustspieldichters waren. Die Darstellung des Komischen erheischt in der Tat eine kräftigere persönliche Eigenart als die Gestaltung des Tragischen, die sich letzten Endes auch mittelbar aneignen läßt. Sie kann sich nicht damit bescheiden, des Dichters Ich und seine subjektivere Lebensauffassung zu geben, sie erheischt ein beträchtliches Maß jener Gegenständlichkeit und Sachlichkeit, die die Vorbedingung einer komisch-realen Betrachtungsweise bildet.
Unter den ersten Lustspielen dürfte Liebes Leid und Lust („Verlorene Liebesmüh") das älteste sein, was sich allgemein aus der dramatischen Schwäche, besonders aber aus der Häufigkeit der darin erscheinenden Reime ergibt. Das Stück enthält ungefähr doppelt so viele gereimte als ungereimte Verse — ein Verhältnis, das sich in Shakespeares Produktion allmählich zugunsten der letzteren verschiebt. Die späteren — und reiferen — Dramen enthalten äußerst wenige gereimte Verszeilen. Die Erstlingskomödie bietet inhaltlich fast nichts, das auf ein genaues Entstehungsdatum schließen ließe. Nur geringfügige Anspielungen auf geschichtliche Tatsachen und Zeitumstände...
Shakespeares sämtliche Werke
gutes Exemplar, ordentlich,
- Verlag:
- Gutenberg Verlag Hamburg
- gebundene Ausgabe,
- Artikelnummer:
- B00065044
- Gewicht:
- 400 gr
- Lagerplatz:
- BS_Bibliothek