- Umfang/Format: 198 Seiten : Illustrationen ; 28 cm
- Anmerkungen: Lizenzausg. d. Verlag Reclam, Leipzig
- Einbandart und Originalverkaufspreis: f?r Mitglieder)
- Sachgebiet: Belletristik
„Die Alten sagen stets: Zu unserer Zeit waren die Menschen besser und stärker, in der alten Zeit lebte es sich gut. Von den Jungen lassen sich die Alten nicht überzeugen, sie sind starrsinnig. Und selbst wenn es gelänge, die Väter zu überzeugen und zum Schweigen zu bringen, so würden die Großväter zu reden beginnen und die Urgroßväter, längst ausgestorbene Völker und graue Zeitalter würden zu reden beginnen. Das Goldene Zeitalter hat und hat es gegeben . . .
Irgendwann einmal lebten im russischen Land die ‚ruhmvollen, mächtigen Recken'. Das mag wahr sein oder nicht, jedenfalls singt das altväterliche russische Volk im Norden Bylinen über sie, glaubt, daß es sie gegeben hat, und gibt seinen Glauben von Generation zu Generation weiter.
Diese Verse über die vergangenen Zeiten sind so lang, den heutigen so unähnlich, daß sie sich nur das gesunde Gedächtnis eines schriftunkundigen Menschen anzueignen vermag, das nicht mit den Tatsachen des modernen Lebens überladen ist, die oft unnötig, überflüssig und zufällig sind . . .
Wie es scheint, ist diese Poesie so mit der Lebensweise verbunden, daß ein Bylinensänger nur so und nicht anders leben kann. Die strengen altgläubigen Traditionen, das Knüpfen von Zugnetzen beim Schein des Kienspans an den
langen nördlichen Abenden, eine große Familie — das ist das Milieu, aus dem der Bylinensänger erwächst.
Aber dieser Gedanke ist Buchgelehrsamkeit und Mutmaßung. Als ich in die Wyg-Gegend fuhr, war ich entschlossen, unbedingt so einen Bylinensänger ausfindig zu machen, mir sein Leben auf meine Art anzusehen und nur den eigenen Augen zu trauen . . ."
Michail Prischwin (1873 - 1954) lernte auf seiner Karelienreise, als deren Ergebnis dieses Buch 1906 entstand, einen solchen Bylinensänger, Grigori Andrianow, kennen. Er wurde bekannt mit Jägern, Fischern, Holzflößern, mit Zauberern und Klageweibern, mit Altgläubigen der Wyg-Gegend, den letzten Zeugen einer fast versunkenen Welt . . .
Prischwin malt das Bild eines urtümlichen Karelie n in der Zeit, da das Land noch nicht durch den Bau des WeißmeerOstsee-Kanals und der Eisenbahnlinie nach Murmansk erschlossen war und seine Bewohner „ein Leben fast wie in der Urzeit" führten.
Konstantin Sokolow (geb. 1945) hat mehrfach an Exkursionen nach Karelien teilgenommen, die ihn auch in völlig abgelegene, schwer zugängliche Gegenden führten. Die dabei entstandenen Skizzen waren das Ausgangsmaterial der Illustrationen zu diesem Buch.
Pri?vin, Michail Michajlovi? (Verfasser)
gutes Exemplar, ordentlich
- Verlag:
- Frankfurt am Main ; Olten ; Wien : Büchergilde Gutenberg
- Artikelnummer:
- B00065004
- Gewicht:
- 1900 gr