Beschreibung
Band 1: 1 / Mit Zeichn. von Bernhard Heisig, 1982 , »Schwierigkeiten beim Suchen nach Wahrheit« — so betitelte Bernhard Heisig eines seiner Bilder. Außerdem war er einer der ersten, die sich neuerdings dem »Ikarus«-Stoff zuwenden, um zu zeigen, zu welch großen Dingen der Mensch fähig ist, aber auch, wie gefährdet und verletzlich er bleibt. Wenn Heisig solchen Fragen nachgeht, so sind Erfahrungen aus der eigenen Arbeit im Spiel. Er gehört nicht zu den Künstlern, die linear auf ihr Ziel zugehen, sondern er arbeitet zyklisch, einkreisend. Immer wieder stellt er Ergebnisse in Frage, überarbeitet er vorübergehend abgeschlossen geglaubte Bilder.
Dieses drängende Suchen nach tragfähigen, überzeugenden Bildformeln und -zeichen ist seine Weise, Wahrheiten auf die Spur zu kommen. Wenn man will, kann man sie »faustisch« nennen.
Bernhard Heisig hat Erfahrungen als Illustrator. Von seinen grafischen Zyklen wurde »Der faschistische Alptraum« (1967/68) über die Landesgrenzen hinaus bekannt, und von den sechs Büchern, die er illustrierte, war das letzte der Roman Ludwig Renns »Krieg« (1979).
Goethes Faust durch Bilder zu begleiten, gehört zu den größten Herausforderungen, zumal dann, wenn der Illustrator den Text nicht stören, gleichzeitig aber eine Art eigener Regie führen will. Beides war Heisigs Absicht.
Die Zeichnungen sind eine Quintessenz aus gesammelten Erfahrungen. Wenn die Illustrationen zupackend, z. T. beklemmend, beängstigend und visionär erscheinen, so beruht dieser Eindruck auf einem tiefen, unkonventionellen Verständnis der literarischen Vorlage und auf dem Einsatz eines weiten Spektrums grafischer Ausdrucksmittel: Vom feinen Strich und markanten Umriß bis zur leichten, silbergrauen Lasur, von der Wirkung schrundig aufgekratzten Papiers über diffuse, amorphe Passagen bis zum präzis ausgeformten Detail, von der offenen Form bis zu dichtesten Schraffuren, von Ruppigkeit bis Eleganz reicht das Repertoire.
Ein dramatischer Grundzug bestimmt das Formklima. Der Wechsel zwischen weiten und engen Räumen, in denen die Gestalten frei oder wie eingesperrt agieren, trägt dazu ebenso bei wie die scharfen Lichter, die die Einzelheiten aus der Düsternis herausschneiden.
Auffallend ist die Vorliebe für den Dialog, das streitbare Argumentieren. Dabei kommt den Händen die wichtigste Rolle zu. Zur Wahrheitssuche gehört der Zweifel. Verzweiflung liegt in der Nähe. So erklären sich auch der Angstschrei und die Dämonie, die in manchem Blatt umgeht.
Heisigs Illustrationen machen wieder deutlich, daß Goethes Faust auch in seinen Imaginationen unerschöpflich, also stets aktuell ist. So sind diese Zeichnungen zugleich markante Dokumente unserer heutigen »Schwierigkeiten beim Suchen nach Wahrheit«. Karl-Max Kober
Band 2: / Mit Federzeichn. von Max Beckmann,
Erscheinungsjahr 1982 Als Beckmann an den Faustzeichnungen arbeitete, war das helle, ungebrochene Leuchten, das jene Zeichnungen uns suggerierten, aus seinem malerischen Werk bereits nahezu verschwunden. Die Gemälde von 1943/44 zeigen es nur noch in Einzelpartien, die meist von dunklen Konturen eingeschlossen werden und denen vieldeutig glimmende, nicht selten düstere Partien gegenüberstehen. Diese veränderte Situation hat sich natürlich auch im Faust-Opus bemerkbar gemacht. Ihr entspricht die Mehrzahl der Darstellungen auf irgendeine Weise.Wiederum ist die Umsetzung ins Graphische atemberaubend: Wir erleben mit, wie Beckmann mit wenigen Schraffuren Düsternis erzeugt, wie der Strich, gleichsam blitzartig, von weichen, aufblühenden Rundungen zu harten, zackigen Umrissen überspringt, wie jäh ausfahrende Bewegungen das Werk verfremden oder seltsame Verschränkungen das eben freigesetzte wieder fesseln. Ein ganzes Arsenal von Linien, Dunkelheiten und Härten,
so scheint es, dient einzig dazu, Schmerz, Trauer und rätselhafte Unbestimmtheiten ins Bild zu bringen.
Gewiß, es bot sich vom Text her genug Anlaß, so zu verfahren. Auch bei Goethe durchdringen einander Glanz und Wirrsal der Welt; Schmerz und Schönheit stehen dicht beieinander, neben befreiendem Spiel gibt es Abgründe, von denen die Dichtung nur scheu und hinweisend spricht. Max Beckmann hat dies alles
freilich noch einmal auf eigene Weise akzentuiert, und wir erleben auch, daß er dem Dichter scharf dazwischenfährt, wenn dieser
im Zuge ist, Widersinn und Dunkelheit der Welt allzu feierlich oder begütigend zu verschleiern.
Wo der Maler Krieg und Gewalt darstellt, gibt es für ihn nichts Versöhnliches. Wenn er uns Philemon und Baucis leblos vor ihrem brennenden Haus zeigt, dann wird der verklärende Mythos ignoriert, mit dem Faust vom Balkon aus sich tröstet. Es ist übrigens auch nicht die Hütte der beiden Alten, die uns der Maler an dieser Stelle zeigt, eher ein Reihenhaus in der Stadt; der Baum daneben scheint von Bombensplittern zerfetzt. — Lesen wir im Tagebuch des Künstlers nach, so finden wir unmittelbar neben den Bemerkungen über den Fortgang der Arbeiten am Faust oft Eintragungen wie diese: »Morgens Luftangriffe«, »Ungeheures Getöse, alles brennt«, »war das erstemal nach der Katastrophe
in Rotterdam ... und konnte die Stadt nicht finden«, oder: »seit langem wieder an der Amstel, durch leere Judenstraßen —«, »Faust, zu den Müttern zweite Fassung. Ekel und Trauer über die Welt«. Friedhelm W. Fischer
gutes Exemplar, nur kleine Lesespuren, Schuber mit Gebrauchsspuren
Spezifikation
Artikelnummer: B00035822
- Verlag:
- 1. Aufl.
- Die Bände wiegen über 2 Kilo und können nicht als Büchersendung versendet werden (6.90¤ innerhalb De
- Artikelnummer:
- B00035822
- Gewicht:
- 4500 gr