- Umfang/Format: 180 Seiten : ?berwiegend Illustrationen ; 27 cm + Beil. (4 Seiten)
- Anmerkungen: Status nach VGG: vergriffen
- Einbandart und Originalverkaufspreis: kartoniert : DM 48.00 3-921420-21-0 kartoniert : DM 48.00
- Sachgebiet: Bildende Kunst
Die Collagen von Franz Roh sind als Nebenprodukte eines Kunsthistorikers und Kunstkritikers von besonderem Interesse. Ein Mann von scharfem Intellekt und sicherem Formgefühl, ein Kenner der zeitgenössischen Szene, einst Schüler, Promovend und Assistent des bedeutenden Schweizer Kunstgelehrten Heinrich Wölfflin an der Münchner Universität, entdeckt für sich die Möglichkeit eigener bildnerischer Kreativität in der Collage. Er hat sie nicht erfunden, sie besitzt bekanntlich Wurzeln in vorangegangenen Jahrhunderten, aber sie ist zum spezifischen Ausdruck seiner eigenen Zeit geworden. Die Kubisten, die Dadaisten, die Surrealisten und Künstler am „Bauhaus" verwendeten die Collagetechnik in vielfältiger Weise: Franz Roh kannte Collagen von Max Ernst, Hannah Höch, Moholy-Nagy, Raoul Hausmann, Kurt Schwitters, George Grosz, mit denen er z. T. auch persönliche Berührungen hatte. Er selbst hat auch photographiert und Photomontagen ausgeführt. Seine Collagen berühren sich zuweilen mit der Technik der Photomontage, sind aber grundsätzlich anderer Natur. Sie sind echte Collagen, d. h. „Klebebilder". Das Eigenartige an Rohs Collagen ist ihre technische Reinheit: es handelt sich um Bilder, die nur durch Zusammensetzungen, durch Einfügungen von Fragmenten aus anderen Bildern in vorhandene Bilder eben in der Art der Überklebungen — entstanden. Nie hat Roh, wie andere Künstler, den Zeichenstift oder den Pinsel bemüht, um das Klebegefüge zu ergänzen. Seine Collagen gehören also nicht der Mischtechnik aus Malerei oder Zeichnung mit eingeklebten „Fremdkörpern" an wie bei Baumeister, Moholy-Nagy,-Schwitters, oder beim frühen Max Ernst und anderen. Sie sind autonome Klebebader. Doch unterscheiden sie sich untereinander durch variable Grundbilder: so gibt es eine Gruppe von Cologen Rohs, die echte alte Kupferstiche (meistens des 18.. Jahrhunderts) als Bildträger benutzten, eine andere, die llustrationsholzstiche des 19. Jahrhunderts als Folie
zeigen, und schließlich gibt es eine größere Reihe von Collagen auf und aus Reproduktionsphotographien. Diese wiederum lassen sich einteilen in Schwarz-weiß-Photocollagen. Schon unter dem hier skizzierten Gesichtspunkt der Unterschiede in der Bildbasis der einzelnen Collagen erweist sich ihre Vielfalt im technisch-strukturellen und im Ton-Ausdruck. Weitere Variationsmöglichkeiten werden ausgekostet: so sind einige der auf druckgraphischen Grundblättern von Schwarz-weiß Charakter ausgeführten Collagen auch mit farbigen Ausschnittfragmenten durchsetzt; gelegentlich werden auch Farbreproduktionen mit Schwarz-weiß Photopartikeln angereichert.
Franz Roh war neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller, Kunstkritiker, Redakteur, Juror, Vortragender und Universitäts-Lehrbeauftragter stets auf der Suche nach Abbildungsmaterial, das er für seine Collagen verwenden konnte. Vieles flatterte ihm auch ins Haus: Werbung, Zeitschriften, Buchprospekte. Anderes fand er bei Antiquaren, in alten Büchji, in illustrierten Werken zur Naturkunde, Geographie, Technik und Kulturgeschichte.
Es läßt sich kaum rekonstruieren, mit welcher Spezies seiner Collagen Roh begann. Nur eines ist klar: die Farbreproduktionen der gedruckten Colorphotographie aus der Zeitschriftenpresse und Reklame stehen an jüngster Stelle, sie sind erst nach etwa 1950 entstanden. Die Anfänge liegen aber schon in den frühen zwanziger Jahren. Das älteste Datum dürfte 1923 sein, das sich auf wenigen Collagen findet, z. B. die Holzstich-Collage „Beflissener starrt ins Weltall" (Abb. 43). Roh datierte und signierte seine Blätter keineswegs systematisch. Von 1923 bis 1933 entstanden in loser Folge die Collagen der ersten Phase, eine zweite wurde während der Nazizeit angelegt, eine dritte begleitet Rohs Schaffen seiner letzten zwanzig Jahre von 1945 bis 1965. Viele seiner Blätter der zwanziger und dreißiger Jahre sind zunächst ganz unabhängig, dann in einer gewissen Parallelität zu den Collagen von Max Ernst entwickelt worden. 1926 trat Roh mit Ernst in einen Briefwechsel, der auch das Thema der Collagen behandelte. Für Max Ernst, den surrealistischen Maler, gehörte die Collagetechnik zum Kern seiner Ausdrucksweise. Er hat als erster systematisch Holzstichillustrationen des späteren 19. Jahrhunderts „ausgebeutet", obwohl auch Roh schon vorher diese Genre kannte, schätzte und für seine Collagen verwendete. Doch stieß Max Ernst zu groß angelegten Collage-Romanen vor, die zwischen 1928 und 1934 in Paris ausgeführt wurden: Zu nennen sind hauptsächlich die Bildzyklen „La femme 100 tötes" (1929), „Röve dune petite fille, qui voulu entrer au Carmel", auch mit deutschem Titel „Das Kamelienmädchen. Ein Traum" (1930), dann „Une semaine de bonte" mit der Geschichte des „Lion de Belfort" (1934)
Roh, Franz (Verfasser), Schmoll, Josef A. (Herausgeber)
gutes Exemplar, ordentlich,
- Verlag:
- Düsseldorf : Ed. Marzona
- broschiert,
- Artikelnummer:
- B00070032
- Gewicht:
- 400 gr