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Briefe, Aufzeichnungen, Aphorismen / Franz Marc. Hrsg. von Günther Meissner

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  • Ausgabe: 1. Auflage
  • Umfang/Format: 206 Seiten : Illustrationen (farbige) ; 24 cm
  • Anmerkungen: Status nach VGG: vergriffen
  • Einbandart und Originalverkaufspreis: : M 13.80
  • Sachgebiet: Bildende Kunst
    . . . Er lebte damals in einem Bauernhaus in Sindelsdorf (Oberbayern — zwischen Murnau und Kochel). Bald entstand die persönliche Bekanntschaft, und wir sahen, daß sein Äußeres seinem Inneren vollkommen entsprach: ein großer Mann mit breiten Schultern, mit festem Gang, mit einem charaktervollen Kopf, mit eigenartigen Gesichtszügen, die eine seltene Verbindung von Kraft, Schärfe und Milde zeigten. In München erschien er zu groß, sein Gang zu breit. Er machte den Eindruck, die Stadt wäre ihm zu eng, daß sie ihn >genierte<. Seiner freien Natur entsprach das Land, und cs war für mich immer eine besondere Freude, ihn mit einem Rucksack auf dem Rücken, mit einem Stock in der Hand durch Wiesen, Felder und Wälder marschieren zu sehen. Seine Natürlichkeit entsprach der Natur auf eine wunderbare Art, und es schien, die Natur freute sich über ihn. Diese organische Verbindung mit der Natur spiegelte sich auch in seinen Beziehungen zu seinem Hund
    >Russi<, einem großen weißen Schäferhund,
    dessen Art, Charakterschärfe und Milde
    eine genaue vierbeinige Kopie seines Herrn bildeten.
    Beziehungen Marc-Russi sind nur ein Beispiel für die organische, tiefinnere Beziehung Maas zu der gesamten Tierwelt. Auf seinen Bildern sind aber die Tiere mit der >Landschaft< so eng verschmolzen, daß sie trotz ihrem starken >Ausdruck<, ihrer Marcsehen Charakteristik gleichzeitig immer nur ein organischer Teil des Ganzen sind. Besonders damals gab es nut sehr selten Menschen, die vom Ganzen etwas wußten, und noch weniger solche, die dieses Ganze in der tiefsten Seele erlebten, zu diesem Erleben fähig waren.
    So ist Franz Marc nie ein >Tiermaler< gewesen, auch kein >Naturalist<, kein >Expressionist< und noch weniger ein >Kubist<
    — Titel, die ihm oft angehängt werden. Am Anfang seiner Entwicklung lebte in ihm die für ihn selbst noch unbewußte Verbindungsidee, der noch unbewußte Drang zur Einheit. In dieser Beziehung allein war er ein tatsächlich >neuer Mensch<. Das war die Basis, auf der wir uns fanden und aus der unsre gemeinsamen Pläne und unsre Tätigkeit auf eine ganz natürliche Weise entstanden. So kam auch >Der Blaue Reiter< zur Welt . . .
    Marc kam oft nach München, um zu sehen, >wag hier los ist<, ich fuhr nach Sindelsdorf, wo mich immer neue Bilder von Marc und die Musik seiner Frau Maria erwarteten wunderbare Stunden. Marc arbeitete auch im Winter auf dem Speicher seines Bauernhauses. Außen alles weiß — der Schnee bedeckt die Felder, die Berge, die Wälder —, der Frost zwickt an der Nase, die Stille erweckt das Ohrensummen. Oben auf dem niedren Speicher (fortwährend stieß man mit dem Kopf an den Balken) stand >Der Turm der blauen Pferde< auf der Staffelei, Franz Marc stand da mit seinem Pelzmantel, großer Pelzmütze und selbstgeflochtenen Strohschuhen an den Füßen. »Nun sagen Sie aufrichtig, wie Sie das Bild finden.« Nicht der Pelz allein wärmte Marc, sondern, denke ich, viel mehr die innere Flamme, die stets mit gleicher Kraft in seiner Seele brannte. Diese Flamme äußerte sich in seiner künstlerischen Tätigkeit, war in seiner Malerei zu sehen und in seinem Wort zu hören. Er sprach aber nie zu laut mit seiner tiefen Stimme, er bewegte sich ruhig, machte nie hastige Bewegungen und verlor auch zu kritischen Stunden seine Ruhe und sein inneres Gleichgewicht nie. Ich bin sicher, er blieb der gleiche bis zu seiner letzten Stunde im Feld . . .
    Wassili Kandinsky über Franz Marc (1 9 3 5)
     

gutes Exemplar, ordentlich,

Artikelnummer: B00070760
Verlag:
Leipzig ; Weimar : Kiepenheuer
gebundene Ausgabe,
Artikelnummer:
B00070760
Gewicht:
400 gr