- Ausgabe: 1. - 35. Tsd.
- Umfang/Format: 122 Seiten ; 8
- Erscheinungsjahr: 1966
- Gesamttitel: rororo-Taschenbuch ; Ausg. 891
ZU DIESEM BUCH
Mit seiner «Testamentseröffnung» schuf Wolfgang Neuss, anfangs zweimal wöchentlich auf der Bühne eines West-Berliner Theaters, später auf Tournee, einen neuartigen Typ der schonungslosen Zeitkritik: «Etwas ganz Vorzügliches, etwas ganz Neues» (Friedrich Luft). Er aktualisierte mit Hilfe der Texter Thierry und Horst Tomayer Verse, Versmaß und angriffsfreudig-schmerzliche Weltbetrachtung seines Vorbildes Francois Villon (15. Jahrh.) zu einer «satirischen Zeitbombe», die mitten ins Juste Milieu der Bundesrepublik traf. Sein in jeder Hinsicht wenig zimperliches Programm — ein Versbeispiel: «Lieber Gemini, der du bist im Himmel» — schreckte Bürger aus dem Schlaf der Ungerechten. Seine neuen Schmähgesänge sind nicht nur gekonnt, sondern auch gewagt. Eine Fernseh-Aufzeichnung des «Neuss Testament» wurde verstümmelt gesendet. Hier liegen die Texte unzensiert vor.
Wolfgang Neuss ist 43 Jahre alt. Von seinen Anfängen weiß er zu berichten: «Ich war so 'ne Art Früh-Beatle, Volksschüler, in der Hitler-Jugend Trommler im Fanfarenzug.» Noch vor dem Krieg lernte er Landwirtschaft und das Schlachterhandwerk. Er war fünf Jahre lang Soldat, wurde dreizehnmal verwundet, war zuletzt als Conferencier in der «Truppenbetreuung» tätig. (Aber der Davongekommene findet das alles nicht spaßig und hat etwas dagegen, daß nach ihm andere zu gleichen Zwecken angelernt und verladen werden.) 1947 fiel er auf die Brettl-Bretter, und diese Art Holz behielt er nun unter den Füßen, um Bretter zu demontieren, die noch immer vor viel zu vielen Köpfen getragen werden: Bei «Mutter Ey» in München, in der Hamburger «Bonbonniere», im «Nürnberger Trichter» und im «Rauchfang» in Berlin, ebenda bei den «Stachelschweinen» mit erster Kabarett-Regie. Wurde mal die Akustik gestört — wie bei seinem FernsehSolo im Südwestfunk («Technische Störung») —‚ startete er im Eigenprogramm: mit Wolfgang Müller «Schieß mich Tell!» und zusammen mit Wolfgang Gruner «Zwei Berliner in Paris». Nebenher größere und kleinere Rollen in Dutzenden von Filmen. Außerdem: Drehbuch-Texter, Produzent und Hauptdarsteller der Filme «Wir Kellerkinder» und «Genosse Münchhausen». Und dann die Anderthalb-Stunden-Aktion: «Das jüngste Gerücht» — zum jeweils letzten Stand der bundesdeutschen Status-quo-Misere. Eine Auswahl «Das jüngste Gerücht — Satiren über Trivialpolitik» erschien, illustriert von Oswin, als rororo (Nr. 841).
Schallplattenverzeichnis: «Das jüngste Gerücht», Live-Aufnahme im «Domizil» Berlin (Best.-Nr. 885 405 TY Stereo — 681 514 TL). Wolf Biermann, Ost, zu Gast bei Wolfgang Neuss, West (Philips/twen Best.-Nr. 843 742 PY)•
Buchblock und Einband alters- und papierbedingt gebräunt, Einband und Buchblock mit kleinen Lesespuren, Gesamtzustand: gut
- Verlag:
- Reinbek b. Hamburg : Rowohlt
- Artikelnummer:
- B00032702
- Gewicht:
- 400 gr