- Ausgabe: 2. Auflage
- Umfang/Format: 538 Seiten
- Erscheinungsjahr: 1981
»Ich glaube!« — auch das wäre denkbar als Titel dieses uns nun abgerundet vorliegenden großen erzählerischen Werks Wassili Schukschins: Parole für den Eintritt in einen lebenerfüllten »poetischen Kontinent«. Der Pope in gleichnamiger Erzählung (ein kräftiger Sechziger kurios moderner Denkungsart, mit langer Mähne, gewaltigen Armen, »so einer schwenkt nicht das Weihrauchfaß, so einer macht sich vor Alimenten aus dem Staub«) erklärt es seinem Gesprächspart-
. ner, dem seelenkranken Kolchosbauern Maxim, und mit ihm erklärt es uns Schukschin, woran er glaubt: »Es gibt einen Gott. Und der heißt LEBEN. Er bietet uns Gutes wie Böses, beides zusammen. Und das eigentlich ist das Paradies.« Doch paradiesisch im üblichen Sinne des Wortes geht es bei Schukschin weiß Gott nicht zu: Gutes und Böses, manchmal sogar konfrontiert in einer Person, liefern sich krachende Gefechte, und manchmal geschieht's, daß das Böse, Gemeine den längeren Arm behält: der machthaberische Verkäufer wie der roboterhaft amtsbeflissene Bürokrat, die raff-und rachsüchtige, mit politischen Schlagwörtern dreinschlagende Schwiegermutter wie die betrügerische, in Saus und Braus lebende Restaurantchefin. Schukschins große Liebe, sein Held, ist der gestrige Dörfler, der heutige Handwerker, Fahrer, Arbeiter, der in seinem Streben nach Selbstverwirklichung gegen »Kränkung«, gegen Geringschätzung seiner Person aufbegehrt. In diesem Aufbegehren, wie lächerlich es oft ausfallen, zu
welch komisch dramatischen Verwicklungen es führen mag, zeigt Schukschin die sich ihres Wertes trotzig bewußt werdende Persönlichkeit. Schukschins Held ist ein ruhelos Suchender, oft sich Verrennender, ein Mensch im Aufbruch, der mehr im Leben will als nur dahinleben. Also klagt Bauer Maxim sein Leid, zunächst seiner Frau: »Aber der Mensch
hat auch eine Seele! Hier sitzt sie, da
drinnen — und tut weh! Ich denk mir das doch nicht aus!« Und dann (weil sie ihn verächtlich abtut: »Woanders -tut dir nichts weh?«) klagt er's dem Popen: »Tut den Gläubigen auch die Seele weh?« - »Du mit deiner kranken Seele bist gerade vor die richtige Schmiede gekommen. Mir tut auch die Seele weh ... Willst du Sprit? ... Nur kommst du und willst eine fertige Antwort, während ich noch selber versuche, tiefschöpfend auf den Grund zu gelangen. Aber das ist — ein Ozean. Und glasweis schöpfen wir den nicht aus.« Auch Schukschin hält uns keine fertige Antwort bereit. Als echter Künstler beschränkt er sich darauf, zu zeigen, und bleibt selber — ein Fragender.
gutes Exemplar, ordentlich,
- Verlag:
- Berlin : Verlag Volk u. Welt 1981
- Gebundene Ausgabe
- Artikelnummer:
- B00043395
- Gewicht:
- 400 gr
- Lagerplatz:
- P1