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Fürsorgliche Belagerung : Roman / Heinrich Böll

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  • Ausgabe: 1. Auflage, 1. - 10. Tsd.
  • Umfang/Format: 372 Seiten ; 20 cm
  • Anmerkungen: Lizenzausg. d. Verlag Kiepenheuer u. Witsch, Köln. - Ausg. für d. DDR
  • Einbandart und Originalverkaufspreis: : M 9.00
  • Sachgebiet: Belletristik

In heinrich Bölls bisher letztem Roman >Fürsorgliche Belagerung< mögen Personen, Situationen und 1 Landlungen frei erfunden sein, wie es der Vorspruch behauptet. Die Probleme sind es jedoch nicht. Durch fiktive Überhöhung wird bundesdeutschen Realitäten der Gegenwart auf den Grund gegangen: Gesinnungsschnüffelei, Terroristenangst, zunehmende Überwachung aller Lebensbereiche — verbunden mit dem Trend zu öffentlichem Burgfrieden, der durch fürsorgliche Belagerung durch die Polizei gesichert werden soll.
Die Vordergrundhandlung umfaßt einen Tag im Leben des Zeitungsverlegers Fritz Tolm und seiner Familie. Genauer: einen Herbsttag Ende der siebziger Jahre, an dem der schon gebrechliche Großkapitalist zum Präsidenten einer führenden Unternehmerorganisation gewählt wird. Er ist der Ausnahmetyp, an dem sich die Regel bestätigt: daß es weniger auf die Eigenschaften der Leute als auf das System ankommt, in dem sie fungieren. Tolm ist das Anti-Klischee eines Bourgeois. Er ist liberal, hochgebildet, sensibel, mit Neigungen zu Natur, Kunst und Familienidylle; kein gewesener oder heimlicher Nazi; aus armen Verhältnissen sehr romantisch aufgestiegen; durch Zufall und fast widerwillig in den Besitz seiner Reichtümer gelangt; kein Tatmensch, eher ein Dulder, der seinen steten Besitzzuwachs und dessen
Konsequenzen mit sich geschehen läßt.
Seine >offene, fast schon aktenkundige Menschlichkeit<, seine Selbstzweifel, seine fernsehgerechte >Urtrauer< machen ihn besonders geeignet, den Unternehmern als Strohmann, als Lockvogel, vielleicht gar als publizistisch verwertbares Terroristenopfer zu dienen. Die Präsidentschaftsfunktion bewirkt — und dies ist der Grundeinfall und entscheidende Kunstgriff des Romans —, daß Tolm und seine Familie in ein Netz totaler Überwachung geraten. Die organisierte Sicherheit wird zur größten Gefährdung, da sie alles Spontan-Lebendige und Menschliche zu ersticken droht; sie zerstört, was sie zu schützen vorgibt. Diese Lage fordert zu Bestandsaufnahme und Entscheidung heraus. Tolm sieht sich vor der Alternative, entweder zu den Bewachten oder den Überwachten zu gehören, und er zieht die letzteren vor, weil er bei ihnen die echteren, menschlicheren, zukunftsträchtigeren Haltungen findet. Im Verhalten der Nachgeborenen wie in der inneren Entwicklung Tolms wird Abkehr vom herrschenden Gesellschaftssystem vollzogen. Der Großkapitalist erkennt, daß ein Sozialismus kommen und siegen müsse, auch wenn er für sich selber nur die Konsequenz der Verneinung des herrschenden Systems und der Verweigerung vollziehen kann.
 

Böll, Heinrich

gutes Exemplar, Einband mit normalen altersbedingten Spuren

Artikelnummer: L00049775
Verlag:
Leipzig : Insel-Verlag
gebundene Ausgabe
Artikelnummer:
L00049775
Gewicht:
400 gr