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Erzählende Prosa : 1939 - 79 / Max Frisch. [Hrsg. von Dietrich Simon]

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  • Ausgabe: 1. Auflage
  • Umfang/Format: 673 Seiten : Illustrationen ; 20 cm
  • Anmerkungen: Lizenzausg. d. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main. - Ausg. f?r d. DDR Status nach VGG: vergriffen
  • Einbandart und Originalverkaufspreis: : M 16.20
  • Sachgebiet: Belletristik ; 08a Schöne Literatur

Nirgends im Werk von Max Frisch berühren sich Autobiografie und Erfindung inniger als in den vorliegenden Arbeiten. Bereits der Neubeginn nach einer selbstauferlegten Absage an das Schreiben war autobiografisch vermittelt: Am 1. September 1939, zu Beginn des zweiten Weltkrieges, wurde Frisch einberufen. In den wenigen freien Augenblicken des Militärdienstes entstanden die »Blätter aus dem Brotsack«. Damit hatte Frisch in der Not, über seine Zeit nicht selbst verfügen zu können, eine Form gefunden, die sich für sein gesamtes Werk als außerordentlich produktiv erweisen sollte: die Form des literarischen Tagebuchs. Nach der Erzählung »Bin oder die Reise nach Peking« (1944), die der Autor später eine »Träumerei in Prosa« nannte, war es vor allem das »Tagebuch 1946-1949«, mit dem sich Frisch als meisterhafter Prosaiker ausweist. Da für Max Frisch individuelles Leben, gesellschaftliches Sein und fiktive Dichtung verschiedene Seiten ein und desselben Verhaltens sind, stellt er Notierungen des alltäglichen Lebens neben philosophische Bekenntnisse und literarische Entwürfe, die Modelle um den Grafen öderland beispielsweise oder den schrecklichen Biedermann, der aus Feigheit der Brandstiftung seines Hauses und seiner Stadt Vorschub leistet, sind so nachdrücklich von den Erfahrungen der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit bestimmt, daß sie länger als ein Jahrzehnt produktive Leitmotive in Frischs Schaffen sein konnten. Die Beziehung zwischen Fiktion und autobiografischem Zeiterlebnis bestimmt aber nicht nur einzelne Werke von Max Frisch, sondern zugleich die Entwicklung seines gesamten Lebenswerkes. So folgten den »Blättern aus dem Brotsack« und dem »Tagebuch 1946-1949« die großen fiktionalen Werke, die Frischs Weltruhm begründeten: die drei Romane »Stiller« (1953/54), »Homo faber« (1955/57), »Mein Name sei Gantenbein« (1960/64) sowie — neben anderen — die Stücke »Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie« (1952/53), »Biedermann und die Brandstifter« (1957), »Andorra« (1957/61) und »Biografie. Ein Spiel« (1966/67).
Danach wählte Max Frisch abermals sein eigenes Ich als Bezugspunkt für die Darstellung der Welt. Der zeitgeschichtliche Hintergrund für die spröden skizzenhaften Erzählungen des »Tagebuchs 1966-1971« sind vor allem die politischen Kämpfe des Jahres 1968. In dieses Umfeld gehört auch die kritische Aufarbeitung des Themas Schweiz in der objektiv-historischen Analyse »Wilhelm Tell für die Schule« (1970) — wie in subjektiv motivierten Erinnerungen — »Dienstbüchlein« (1973). Rückhaltlos autobiografisch scheint »Montauk« (1974/75) zu sein, und doch ist gerade diese Erzählung meisterhaft vom Verhältnis zwischen Autobiografie und Erfindung geprägt. Die Liebe des Ich-Erzählers zu der jungen Amerikanerin Lynn kann, weil sie allein Gegenwart ist, weil sie beendet sein wird, ehe sie an ihren eigenen Wiederholungen erstickt, zum Anlaß für Frischs unverstellte Auseinandersetzung mit sich selbst werden, und dabei wird die Autobiografie zur exemplarischen Geschichte eines progressiven Künstlers unseres Jahrhunderts. Seinen fiktiven Bruder findet der Ich-Erzähler aus »Montauk« schließlich in Herrn Geiser, dem einsamen alten Mann in »Der Mensch erscheint im Holozän« (1979). Zwar darf Herr Geiser für sein eigenes Leben kaum noch etwas erhoffen, aber was Menschen zu Menschen macht, gibt er nicht auf: Produktivität und Widerstandskraft gegen die Vernichtung des Humanen. Aus der erdgeschichtlichen Konstatierung wird die Botschaft, im Holozän sei der Mensch erschienen. Der Hoffnung, daß er auf dieser Erde bleibe und Mensch bleibe, gilt Max Frischs Leben, Denken und dichterisches Bemühen zuallererst — nunmehr seit vierzig Jahren.
 

gutes Exemplar, ordentlich,

Artikelnummer: B00070254
Verlag:
Berlin : Verlag Volk u. Welt
gebundene Ausgabe,
Artikelnummer:
B00070254
Gewicht:
400 gr