- Ausgabe: 1. Auflage
- Umfang/Format: 194 Seiten ; 19 cm
- Anmerkungen: Lizenz d. Rowohlt-Verlag, Reinbek bei Hamburg. - Ausg. f. d. DDR.
- Erscheinungsjahr: 1975
Wer Bücher von hinten zu lesen pflegt, könnte bei den „Ersten Unruhen" zunächst über den „Quellennachweis für Zitate" staunen. Tatsächlich ist der Schweizer Otto F. Walter alles andere als ein naiver Schriftsteller, und tatsächlich ging sein Umgang mit Literatur stets über das eigene Schreiben hinaus: Der 1928 in Rickenbach (Kanton Solothurn) geborene Otto F. Walter erlernte den Buchhändlerberuf und war 1956 bis 1973 in zwei Verlagen tätig.
Bereits die Wahl eines fiktiven Handlungsortes mag als Indiz für Walters unentwegte Beschäftigung mit Literatur gelten. In seinen drei bisher veröffentlichten Romanen („Der Stumme" — 1959, „Herr Tourel" — 1962, „Die ersten Unruhen" — 1972) ist es jedesmal die Mittelstadt Jammers im Schweizer Kanton Solothurn, in deren Netzen sich die Figuren Walters verstricken, aus denen sie sich zu befreien versuchen. Dies aber gelingt ihnen — im Fortgang der drei Romane — immer weniger, bis schließlich alle angestauten Konflikte in den „ersten Unruhen" explodieren.
Jammers existiert nur auf der Landkarte der Literatur gleich jenem hochberühmten Seldwyla Gottfried Kellers, ohne das es selbst nicht denkbar wäre. Jammers ist die Projektionsfläche für den Untergang der bürgerlichen Gesellschaft, so wie Seldwyla einst eine frühe Warnung vor ihren Gefahren war. Von schnurrigen und liebenswerten Geschichten kann aus Jammers nicht mehr berichtet werden. Hier kulminiert die nackte Existenzangst, und Walter vermag, gerade durch Anspielungen und Zitate, literarisch ins Bild zu setzen, was in der Schweizer Wirklichkeit allzu sehr hinter traditionellen Ordnungsbegriffen, hinter einer formalisierten bürgerlichen Demokratie und einer künstlich forcierten Konsumbesessenheit verborgen blieb : die Bedrohung der Menschen in ihrer wesentlichen, in ihrer menschlichen Substanz. Weil Jammers kein Einzelfall ist, mußte der Erfinder dieser Stadt alles das als Quelle benutzen, was die heutige bürgerliche Gesellschaft an Nachrichten, Mutmaßungen und Hypothesen über sich selbst herumgebracht hat. Und so entstand aus den Informationsfetzen der kapitalistischen Welt das beunruhigende und provozierende Bild eines Schweizer Gemeinwesens unserer Tage.
gutes Exemplar, nur kleine Lesespuren,Buchblock altersgemäß gebräunt
- Verlag:
- Berlin : Verlag Volk u. Welt
- Artikelnummer:
- B00042051
- Gewicht:
- 400 gr