- Umfang/Format: 286 Seiten ; 8
- Anmerkungen: Teilausg. Status nach VGG: vergriffen
- Einbandart und Originalverkaufspreis: : DM-Ost 6.50
- Sachgebiet: Schöne Literatur
Dazu heißt es bei Riehl im Vorwort zu den «Kulturgeschichtlichen Novellen» (1856): «Unser historisches Gefühl erträgt es nicht mehr, daß man 'uns große Staats- und Kriegsaktionen im Romane genrehaft ausmalt... Die alten historischen Romane, welche uns weltgeschichtliche Ereignisse, die sich allenfalls dramatisieren ließen, episch in Prosa erzählen, sind uns darum jetzt trocken und hohl geworden oder unwahr. Mir dünkt, die Aufgabe der historischen Novellistik liege nach dieser Seite darin, auf dem Grund der Gesittungszustände einer gegebenen Zeit freigeformte Charaktere in ihren Leidenschaften und Konflikten walten zu lassen. Die Szene ist historisch. Es sind dann aber—kurz gesagt—erfundene Personen, die in den Vordergrund treten, die mit feinem Pinsel ausgemalt werden sollen, eine erfundene Handlung, die sich episch frei gestalten kann, keine geschichtliche, wenigstens keine weltgeschichtliche ... In meinen ‚Kulturgeschichtlichen Novellen' habe ich dieses neue Feld in einer vielleicht neuen Weise urbar zu machen versucht. Ein Kulturhistoriker hat diese Novellen geschrieben, dem sie aus seinen liebsten Studien, aus seinen traulichsten Jugenderinnerungen so unter der Hand hervorgewachsen sind.»
Damit stehen wir bei der Frage nach den Quellen und Motiven der einzelnen Novellen Riehls. Fast immer beruht die Fabel lediglich auf Familienüber-
lieferungen, Jugendeindrücken, eigenen Erlebnissen des Verfassers oder einfach auf seiner freien Phantasie. Im Vorwort zu seiner Sammlung «Aus der Ecke» wendet er sich ausdrücklich gegen die Methode, erst Chroniken nachzuschlagen, «denn wer die Chronik nicht im Kopfe trägt, wer nicht lebt in den fernen Räumen der Geschichte, der kann nur hölzerne historische Novellen schreiben». Einen genaueren Quellenhinweis erhalten wir von Riehl eigentlich nur ein einziges Mal, nämlich für die Novelle «Im Jahr des Herrn»; er schreibt: «Zu der kleinen Erzählung ,Im Jahr des Herrn' wurde ich durch die Fulder Annalen angeregt. Wenn man das bald .
strohdürre, bald alttestamentlich schwülstige Mönchslatein unserer alten Annalisten liest, dann fühlt man sich doch manchmal seltsam bewegt durch einen frischen Hauch aus dem deutschen Urwald, der plötzlich in die schwüle Luft der Klosterzelle hereinweht. Das empfand ich recht lebhaft bei der in den Annalen kannibalisch rohen und dennoch anziehenden Anekdote, die meiner Erzählung zugrunde liegt. Ich suchte menschlich und sittlich zu gestalten, was der Mönch von Fulda als eine Tat fast der reinen Bestialität berichtet, und auch den Personen jenes Gepräge der Urfrische und Urkraft zu bewahren, das uns selbst in der Wüstenei der späteren karolingischen Zeit noch als das Vermächtnis einer edleren Vergangenheit und als die Verheißung einer besseren Zukunft
erquickt.» •
Wir ehren in Riehl den guten deutschen Dichter, der sich stets seinem Volke verpflichtet wußte, und wir ehren in ihm den gläubigen Christen. Geben wir ihm
Riehl, Wilhelm Heinrich (Verfasser), Fischer, Gerhard (Mitwirkender)
gutes Exemplar, ordentlich,
- Verlag:
- Berlin : Union Verl.
- gebundene Ausgabe,
- Artikelnummer:
- B00064840
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- 400 gr
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