Vorwort
Der Dichter Franz Werfel, der am ro. September /890 in Prag geboren wurde und am 26. August 1945 in Los Angeles starb, ist nicht alt geworden, aber er hat intensiv, „verdichtet" gelebt, wie kaum ein anderer Künstler. Seine Jugend stand unter dem Zeichen des Verfalls der Donaumonarchie. Die Berührung so verschiedener Nationen, der Reichtum ihrer von der Natur gesegneten Landschaften, den die grundbesitzende Aristokratie, das vermögende Großbürgertum und eine zumindest an Muße reiche Bürokratie in Wien verzehrte, hatte zusammen mit dem deutlichen Bewußtsein von dem unvermeidlichen Ende eine eigene Atmosphäre eines wehmütigen und zugleich frivolen Glanzes über Stadt und Reich gebreitet.
Der Verfall einer herrschenden Schicht, einer Klasse, eines Staates ist aber keineswegs identisch mit dem Verfall eines Volkes, der Menschen, die in dieser Zeit leben. Die Aktion, die Reform, die Revolution lebte in den Herzen besonders der Jungen und ließ sie sich auflehnen gegen die herrschende Verherrlichung des Genusses, des raffinierten Scheines, und einen leidenschaftlichen, wenn auch oft unklaren Ruf ausstoßen nach den Dingen hinter dem Schein, nach Teilnahme an den Leiden dieser Welt.
Aus dieser österreichischen Jugend stammte Franz Werfel. Erbe der aristokratischen Kultur eines Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke, lehnte er sich doch gegen sie auf. Kunst konnte für ihn kein formales Problem sein, der Dienst am Wort nicht die einzige, und nicht einmal die wichtigste Aufgabe des Künstlers. Es ging ihm nicht darum, Worte zu wählen und zu zelebrieren, sondern von dem überreichen Erleben einer Seele, von Gefühlen und Ideen zu sprechen. Das brachte ihn in die Nachbarschaft
gutes Exemplar, altersgemäß gebräunt, Gesamtzustand gut
- Verlag:
- Wien : Globus-Verl.
- broschiert,
- Artikelnummer:
- B00065284
- Gewicht:
- 400 gr