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Des deutschen Spiessers Wunderhorn : Eine Ausw. / Gustav Meyrink. [Hrsg. u. mit e. Nachw. vers. von Gerhard Böttcher]

Gewicht: 0.4 kg

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  • Umfang/Format: 282 Seiten ; 8
  • Anmerkungen: Lizenz d. Langen-M?ller Verlag, M?nchen. - Ausg. f.d. DDR
  • Einbandart und Originalverkaufspreis: : DM-Ost 9.40
  • Sachgebiet: Schöne Literatur

„Der Golem” und „Das grüne Gesicht" schon die Titel dieser Romane, die Gustav Meyrink in den Jahren des ersten Weltkrieges grenzenlose Bewunderung und ungewöhnlich hohe Auflagenziffern verschafften, muten sensationell an. Durch ihren phantastisch-unheimlichen Charakter erregten sie die Gemüter. Kaum ein Leser hätte damals geglaubt, daß dieser Ruhm vergehen würde wie eine Seifenblase. Wenn die Nazis sein Werk trotzdem auf den Scheiterhaufen warfen und wenn Meyrinks Name heute noch zu nennen ist, so verdankt er das jenen bissigen, witzig-grotesken kleinen Geschichten des „Wunderhorns", in denen er auf ebenso amüsante wie meisterhafte Weise die Schwächen und Lächerlichkeiten des ewigen Spießers bloßstellte.
Ursprünglich gab es in Meyrinks Leben nichts, was darauf hingewiesen hätte, daß er sich zu einem der schärfsten satirischen Kritiker der zeitgenössischen Bourgeoisie entwickeln würde. Ganz im Gegenteil: Gustav Meyer (dies sein bürgerlicher Name), Direktor einer angesehenen Privatbank, Mitglied feudaler Klubs, war vor der Jahrhundertwende eine der prominentesten, faszinierendsten Persönlichkeiten der deutschsprachigen Prager Gesellschaft. Aber was ihm Bewunderung und Anerkennung eintrug, erregte zugleich Neid und Mißtrauen: seine überlegene körperliche und geistige Eleganz, sein brillanter Witz, der so leicht in Spottlust umschlug, und ein gewisser Hang zur Exzentrizität. Die unterschwelligen Spannungen wurden schließlich so stark, daß man einen Ehrenhandel als Anlaß benützte, um Meyrink materiell zu ruinieren und in einen psychischen Zusammenbruch zu treiben. Diese Katastrophe löste in ihm den eruptiven Ausbruch einer ihm bis dahin unbewußten Krall aus: seiner literarischen Begabung. Kein Wunder, daß die Empörung ihn zunächst zur Satire hinführte, für die er durch natürliche Anlagen prädestiniert war: durch seinen zielsicheren, respektlosen Witz, seinen untrüglichen Blick für menschliche Schwächen und Kuriositäten. Und so gelangen ihm schon mit den ersten Stücken klassische Porträts jener Typen, die er viele Jahre aus nächster Nähe hatte beobachten können: des Snobs, des Tartuffe, des zu völliger Denkunfähigkeit trainierten Offiziers — um nur einige zu nennen. Daß bei Meyrink die Satire eine höchst originelle Verbindung mit dem Phantastischen, Grotesken und Skurrilen eingeht, verleiht seinen Wunderhorn-Geschichten, die sich nicht nur als literarisch beständig, sondern leider für manche Regionen auch als heute noch aktuell erweisen, einen besonderen Reiz.
 

Meyrink, Gustav (Verfasser), Böttcher, Gerhard (Mitwirkender)

gutes Exemplar, altersgemäß gebräunt, Gesamtzustand gut

Verlag:
Berlin : Verl. Volk u. Welt
gebundene Ausgabe,
Artikelnummer:
B00058554
Gewicht:
400 gr
Lagerplatz:
H10