- Ausgabe: 1. Auflage
- Umfang/Format: 602 Seiten ; 21 cm
- Anmerkungen: Lizenzausg. d. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main. - Ausg. f?r d. DDR. Status nach VGG: lieferbar
- Einbandart und Originalverkaufspreis: : M 13.20
- Sachgebiet: Belletristik ; 08a Schöne Literatur
ZMOMM
Sterbend habe der römische Dichter Vergil sein Epos „Äneis" vernichten wollen, erzählt eine Legende. Zu diesem Entschluß trieb ihn die Enttäuschung, daß seiner Vision humaner Weltgestaltung durch Rom die Wirklichkeit im römischen Weltreich nicht entsprach und daß seine Dichtungen dazu herhalten mußten, der Realität den Anschein des schicksalhaft Notwendigen zu verleihen.
An dieser, Legende kristallisierten sich Hermann Brochs Auseinandersetzungen über das Verhältnis von Gesellschaft, Dichtung und Wirkung der Dichtung. Was für Vergil der Tod war, die letzte Möglichkeit persönlicher Verantwortung, war für den Bürger Hermann Broch die Vertreibung aus seinem Heimatland. Die faschistische Besetzung Osterreichs im März 1938 verstand Broch als den letzten Akt in der Tragödie seiner bürgerlichen Welt, die sich als unfähig erwiesen hatte, menschliche Lebensansprüche auch nur annähernd zu erfüllen. Das Versagen dieser Gesellschaft war aber auch die Tragödie Hermann Brochs, der am 1. November 1886 als Sohn eines jüdischen Wiener Textilindustriellen geboren worden war und seit 1909 das Familienunternehmen geleitet hatte. Einen ersten Versuch, die Fesseln des bürgerlichen Seins abzustreifen, unternahm Broch, indem er 1927 die Fabriken aufgab. Bis zu seinem Tod am 30. Mai 1951 lebte er als freischaffender Schriftsteller.
In der Romantrilogie "Die Schlafwandler" (1928-1931), im unvollendeten "Bergroman" (1935-1938, letzte Fassung 1951) sowie in zahlreichen Essays stellte Broch der kapitalistischen Zerstörung des Menschen das sich selbst isolierende denkende Subjekt entgegen. Angesichts der weltgeschichtlichen Zuspitzung seit 1938 erwies sich diese idealistische Position als Flucht. Der Roman "Der Tod des Vergil", 1938 bis 1945 im englischen und amerikanischen Exil geschrieben, wurde zur schonungslosen Selbstkritik. Broch identifiziert sich mit Vergil, der angesichts des Todes leidvoll erkennt, daß sein Werk nicht einer parasitären, untergehenden Welt angehören darf. In weitausholenden, lyrischen Monologen und in einem großen dramatisch zugespitzten Dialog mit dem Kaiser Augustus ringt sich Vergil zu der Entscheidung durch, sein Werk doch
.nicht zu vernichten, sondern es der Zukunft zu überantworten, die von einem syrischen Sklaven als Gegenspieler des
, Imperators vertreten wird. Mit der Hilfe seines großen Vorbildes gewinnt Broch die Überzeugung, daß Kunst nur Kunst sein kann, wenn sie der Mensch-
heitszukunft gehört. Freilich birgt auch
diese Überzeugung noch eine tiefe Tra-
gödie, denn nach dem Willen des Ro-
mans ist es die letzte Erkenntnis eines
Sterbenden, der an der künftigen Welt
selbst nicht mehr teilhaben wird.
1 2 cM1
ein Fleck hinten am Einband, sonst ordentlich
- Verlag:
- Berlin : Verlag Volk u. Welt
- Artikelnummer:
- B00070116
- Gewicht:
- 400 gr
- Lagerplatz:
- L74