- Ausgabe: 3. Auflage
- Umfang/Format: 348 Seiten ; 21 cm
- Erscheinungsjahr: 1986
Der „deutsche Bildschöpfer" Siegfried Amadeus Wruck, Insasse eines amerikanischen Camps für Naziprominente, ist mit Rückschau beschäftigt. Er füllt den FRAGEBOGEN der US-Behörde aus. Gründlich und mit enthüllender Geläufigkeit kann er 131 Fragen beantworten. Rat und Hilfe werden ihm, wie all den anderen, die sich für „Freiheit" und Restauration zu erhalten wünschen durch Reinwaschung, einschlägig vom Barackennachbarn Ernst von Salomon zuteil; sie werden sich nicht umsonst mühen, jene Diehl, Blankenhom und so weiter, wie wir sie in der Umgebung des Kanzlers Kiesinger wiederfinden durften, nur für S. A. W. wird es kein Come back geben. Die MEMOIREN wissen von zwei Begegnungen mit der Macht zu berichten; die dritte wird Wruck versagt bleiben. Die erste erfährt der Jüngling, Kind der Hebamme und des Sangesbruders, Leichen handschuhnähers, vor allem aber Devotionalienhändlers, als Zögling von Hochwürden Nunwurz: im Anblick des Heiligen Sebastian. Siegfried Amadeus, hier im wesentlichen noch Amadeus, erlebt den schlanken Heiligen lustvoll nach Art der schmächtigen Männer. Er fühlt sich Künstler werden. Ilsemaus, die begüterte Mutter des Freundes Rainer Gesell, den er sich durch falsche Zeugenaussage verpflichten durfte, ermöglicht das Erlernen des Malerhandwerks und eines wenigen darüber hinaus. Doch im Kunstbetrieb der zwanziger Jahre geht er, unbegabt und ohne Selbstbestätigung, unter. Da erscheint der Freund, jetzt zigarettendrehender SA-Mann, und bietet die Chance, den PAKT; und S. A. W. schlägt ein, wenn auch nach Zögern, denn er hat sich noch vorüberzuwinden an den rivali-
sierenden Kunstfreunden Goebbels und
Göring, der SA Röhms, der SS Himmlers
und an Friedrich Flick, der porträtiert wird und unzufrieden ist . . Aber dann darf er als „deutscher Bildschöpfer" neben Ziegler und Schmid-Ehmen auf der „Großen Deutschen Kunstaussic u ng" Adolf Hitler sein Werk vorweisen: Kriemhild, eine knabenhafte Nibelungin, Sebastian verwandt und von den gewünschten Proportionen noch weit entfernt. Jedoch gibt sich Hitler, mit Ausnahme eines Geringen allerdings, zufrieden. Wie der Knabe einst als Kegeljunge den Aufbruch zum großen Krieg aus dem Geist Karl Mays und der Nibelungen des Groschenheftes erlebte, so bricht er nun als Siegfried A. Wruck — Günstling ALBERT SPEERS — auf zur Erschaffung marmorner Nibelungen; das Brekersche Format leiht ihm bereitwillig der geblähte Thorax seines athletischen Gipsmischers Magura. Doch auch die zweite Begegnung mit der Macht hat ihm Kribbeln, Furcht und Schlimmeres nicht erspart, immer noch und wieder erscheint ihm die KATZE wie dem klassischen Vorbild einst der HUND, er wird ein böses Ende nehmen und — FAUST einer allerletzten Bourgeoisie — trotz Bemühens nicht errettet werden, wie die anderen, die im Camp einsitzen für eine Weile. Als er aus dem zeitgemäßen Material des Stacheldrahts modern eine Kreuzigungsgruppe montiert, sind es verkleidete NIBELUNGEN. Der Bildschöpfer stirbt an der Sepsis, der verrostete Draht hat ihn gerissen, es ist sein Blut geflossen, zu früh, wie die gleichgesinnten Geretteten ihm nachru-fen werden.
Ein satirischer Künstler- und Entwicklungsroman, der zugleich die westdeutsche Memoirenliteratur parodiert. Parodistische Motivbezüge zu den großen Faustdichtungen lassen den (selbst erzählenden) Helden als eine Art Felix Krull, der sich an Adrian Leverkühn mißt, erscheinen.
ordentliches Exemplar, Einband und Buchblock mit kleinen Lesespuren, Buchblock altersgemäß gebräunt, Gesamtzustand: gut
- Verlag:
- Rostock : Hinstorff
- Artikelnummer:
- B00038646
- Gewicht:
- 400 gr