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Cimburas Traum : Handwerkergestalten in Erzählungen d. letzten 100 Jahre / [hrsg. u. mit e. Nachw. vers. von Günter Creutzburg. Von Karl Emil Franzos...]

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1. Aufl. Verlag Berlin : Verlag der Nation Zeitliche Einordnung Erscheinungsdatum: 1982 Umfang/Format 271 S. ; 22 cm ISBN/Einband/Preis kart. : M 6.80 Anmerkungen Status nach VGG: vergriffen Sachgruppe(n) 59 Belletristik

«Handwerk hat goldenen Boden» — ein alter Spruch voll frühbürgerlichen Selbstbewußtseins, dessen allzu pauschalem Urteil allerdings Weitsichtigere wie Hans Sachs schon in der Blütezeit der Zünfte widersprachen. Wieviel weniger galt er erst
für die Zeit nach den Gründerjahren, in der die großen Unter-
.
nehmer noch reicher und mächtiger, die kleinen Meister immer ärmer und ohnmächtiger wurden.
Selbst der kleine «Traum des Friseurs Cimbura» vom Glück geht nicht in Erfüllung. Die fragwürdige Hoffnung, am Ende doch in «gehobene Kreise» aufzusteigen, ist die typische Wunschvorstellung einer Kleinbürgerwelt, der es noch an historischer Einsicht in den Mechanismus der spätbürgerlichen Gesellschaft gebricht. Schwankend zwischen Fatalismus und menschlicher Selbstaufgabe jagen sie einem Phantom nach, einen «goldenen Boden» finden sie nicht, die literarischen Helden der hier vorgelegten Erzählungen. Cimbura ist auf liebenswert-chaplineske Weise unfähig, mit faulen Tricks und Rücksichtslosigkeit Karriere zu machen, der Schindelmacher aus dem Schlesischen, der es mühsam zu einem kleinen Besitzstand gebracht hat, vermag sich schließlich.gegen die Habgier seiner Umgebung nur in einem Amoklauf aufzulehnen, der Konditormeister Dobler wird in den Wirren des Bürgerkriegs 1919 ein Opfer der «Weißen», .ratlos stehen die Zieglers in der Zeit der Weltwirtschaftskrise einem ihnen unbegreiflichen Schicksal gegenüber, und die stille Frau Walker, die man als «Judenmetzig» beschimpft, versucht auf ihre Weise, Menschlichkeit gegenüber den jüdischen Mitbürgern walten zu lassen. Gewiß, auf «goldenem Boden» — wenn man darunter nur den hemmungslosen . finanziellen Erfolg versteht — stehen auch Brigitte Falkenberg in Ehm Welks Nachkriegsgeschichte und der Klempnermeister Schindler nicht, dem die eigene Werkstatt längst kein Statussymbol mehr ist. Aber sie leben in einer menschlichen Gesellschaft, haben einen festen Platz unter Menschen ihresgleichen, während ihre Vorfahren vereinsamten, sie werden geachtet und nicht geächtet, gebraucht, .wo diese nur noch verbraucht wurden. So geht von all diesen Geschichten, auch wenn sie oft tragisch enden, doch eine große Ermutigung für den Leser von heute aus.
 

Creutzburg, Günter (Herausgeber)

gutes Exemplar, altersgemäß gebräunt, etwas stockfleckig, Gesamtzustand gut

broschiert,
Artikelnummer:
B00071123
Gewicht:
400 gr
Lagerplatz:
F12