- Ausgabe: 5. Auflage
- Umfang/Format: 945 Seiten ; 8
- Erscheinungsjahr: 1964
- Einbandart und Originalverkaufspreis: Lw. : 12.80
In dem großangelegten Roman wird ein eindrucksvolles Bild von der Aufbruchzeit im Osten Deutschlands entworfen. Erzählt wird die Geschichte eines Rebellen, die des Zimmermanns Hannes Balla, der wie ein Glückssucher durchs Land zieht und alles an sich bindet, was ihm begegnet: Geld, Frauen, Macht - und der alles abwehrt, was sein Leben stören könnte: Recht und Ordnung und selbst die großen Gefühle wie eine aufkeimende Liebe. Balla wird zum Urtyp von Menschen im Aufbruch, die vor allem den Herrschenden nicht geheuer sind.
Der Roman wurde verfilmt, mit Manfred Krug in der Hauptrolle.
Erik Neutsch, geboren 1931, Erzähler und Romancier, lebt in Halle/Saale.
Wichtige Werke: Auf der Suche nach Gatt (Roman)
Der Friede im Osten (mehrteiliger Romanzyklus)
Forster in Paris (Erzählung)
Nach dem großen Aufstand (Roman)
Auszug
Sechzehn Schornsteine stützen den Himmel über der Stadt, höher aufragend als die höchsten Türme ringsum, sechzehn Fabrikschlote, in einer Reihe, staubgrau und steil, wie sie nirgends noch einmal in Deutschland zu finden sind. Tag und Nacht wälzt sich der Qualm aus den sechzehn Essenschlünden, Tag und Nacht. Er schwärzt im Winter den Neuschnee auf den Äckern, rußt im Frühling über die weißen Blüten der Kirschbaumzeilen an den Chausseen, trübt sogar im Herbst noch die novemberdunklen Flüsse und umflort im Sommer die heiße gelbe Sonne. Wenn der Wind von Westen herüberweht, was nicht selten geschieht, dann drückt er den Rauch der Fabriken in die Straßen der Stadt, dann bringt er oft Regen mit, einen schmutzigen, klebrigen Regen, der den Ruß aufgesaugt hat und ihn auf das Pflaster, die Dächer, auf die Felder und die Baumkronen legt. Die Sonne brennt danach die Pfützen aus, die der Regen wie Blei in die Dellen schmolz, auf der Erde verdampft die Nässe; und der Ruß, der Schmutz bleiben. Afle Häuser tragen einen dunkelgrauen Putz, die Farben sind abgeätzt, die einstmals roten Dachziegel sind schwarz, die Fensterscheiben immer undurchsichtig wie Milchglas. Auch die Flüsse sind modrig, mit den Abwässern der Werke vollgepumpt, und die Weiße Elster ist nicht mehr weiß, sie ist von sumpfigen Teichen umufert, Überresten der Schneeschmelze, in denen sich die Zweige abgestorbener Bäume sperren.
Vom schornsteinzerspießten Himmel prallt die Sonne im Juli unerbittlich auf das Städtchen Schkona hernieder. Sie wird von einem braunen gleitenden Schleier verdeckt, aus dem sie nur milchigmatt hervorblinkt, aber ihre Strahlen wirken ungemindert. Die Blätter der Bäume sind stumpf, die Kirschen röten sich hektisch, die graugrünen Äpfel und Birnen sind unreif und holzhart. Die Steine glühen, an den Häuserwänden kleben die Fliegen, schwirren nur träge auf, wenn ein Schatten in ihre Facettenaugen dringt und sie scheucht. Der schwarze, zu Pulver gebrannte Staub auf den Straßen flattert inl angen Fahnen hinter den Autos her, sickert in die Schuhe der Fußgänger,
gutes Exemplar, altersgemäß gebräunt, Gesamtzustand gut
- Verlag:
- Halle (Saale) : Mitteldeutscher Verlag
- gebundene Ausgabe,
- Artikelnummer:
- B00008043
- Gewicht:
- 900 gr