- Ausgabe: 2. Auflage
- Umfang/Format: IX, 455 Seiten ; 19 cm
- Einbandart und Originalverkaufspreis: : M 6.00
- Sachgebiet: Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft
VORWORT
„Seit Neujahr", schrieb Keller im April 1881 an den befreundeten Kunstenthusiasten Wilhelm Petersen in Schleswig, „habe ich alles Briefschreiben in Privat- und Freundschaftssachen wieder einmal müssen liegenlassen, nicht weil ich nicht manche müßigen Stunden und Tage dazu gefunden hätte, sondern weil gerade das Briefschreiben con amore mit dem Schriftstellern zu nah verwandt ist, wenigstens wie ich dieses treibe ... Und so scheut man sich, Briefe zu schreiben, indessen man sich nicht entblödet, plötzlich ein historisches Kapitel zu studieren oder ein paar Tage zu zeichnen ..."
Das Briefschreiben als eine besondere Form des Schriftstellerns —wer hätte es, in einer Zeit, da die klassische Freundschaftskorrespondenz mehr und mehr von der nüchternen, zweckgebundenen Mitteilung abgelöst wurde, noch mit solcher Hingabe geübt wie Gottfried Keller? Außer den Causerien Fontanes, des leidenschaftlichsten Epistolographen der deutschen Literatur, und den Konfessionen Storms dürfte es wenige zeitgenössische Selbstzeugnisse geben, die sich mit den Briefen des Schweizers, dem ganz Persönlichen, Einmaligen, Unwiederholbaren ihrer Diktion vergleichen lassen. Allein dies rechtfertigt, ja erfordert geradezu eine Auswahl der schönsten und aussagekräftigsten Stücke innerhalb einer Volksbibliothek deutschsprachiger Klassiker. Kellers Briefe sind allermeist kleine literarische Kunstwerke; sie gehören zum dichterischen Werk ihres Verfassers.
Auch in seinen Briefen erweist sich Keller als ein Erzähler von Rang. Bereits der Bericht, den der eben Zwanzigjährige einem Freund über seinen Geburtstag sendet, mutet fast wie die Vorstudie zu einem Kapitel des „Grünen Heinrich" an. Und manche Briefstelle aus späterer Zeit könnte ohne weiteres auch Bestandteil einer Seldwyler oder Züricher Novelle sein. Selbst dort, wo er über weltanschauliche oder ästhetische Probleme reflektiert, verliert sich Keller nie in reiner Abstraktion, sondern trägt seine Gedanken in einem aufgelockerten Berichts- und Gesprächston vor, dabei stets den jeweiligen Korre-
Keller, Gottfried (Verfasser), Goldammer, Peter (Herausgeber)
gutes Exemplar, ordentlich,
- Verlag:
- Berlin ; Weimar : Aufbau-Verlag
- gebundene Ausgabe,
- Artikelnummer:
- B00061840
- Gewicht:
- 400 gr
- Lagerplatz:
- A91