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Der Anbieter : Material für ein Gespräch, das so nicht stattgefunden hat / Dieter Hildebrandt

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  • Umfang/Format: 127 Seiten ; 20 cm
  • Erscheinungsjahr: 1994

Vor fast hundert Jahren befand Karl Kraus, der Wechsel von Morgen und Abend sei verdrängt durch den von Morgen- und Abendzeitung. Das Fernsehen kannte er nicht, das noch vor dem Aufstehen beginnt und die Liebe durch nächtliche Pornographie ersetzt. Und woran mag er bei dem Wort »Kanal« gedacht haben? Gewiß nicht daran, daß wir, wenn wir den Kanal voll haben, einen anderen wählen können, bei dem wir uns immerhin darauf verlassen dürfen, in der gleichen Weise umworben zu werden. Wir haben es gut. Wir erfahren alles, wir wissen alles, und wenn es sein muß, wird in Zeitlupe wiederholt.
Haben wir es wirklich gut? Einer, der es wissen sollte, meldet Bedenken an: Dieter Hildebrandt. Darin geübt, matte Scheiben zu wischen, schaut er ins Innenleben des Fernsehens und entdeckt wen? Herrn Dr. Wanzek, den Anbieter. Der ist nichts und hat alles: Geld, Macht, Verbindungen und - folglich - das Selbstbewußtsein eines Nilpferdes. Eine ganze Woche, viel zu lange eigentlich für jemanden, der in Werbesekunden rechnet, stellt er sich den Fragen des Journalisten Schnabel. Der hat nichts und möchte alles sein: ein wacher Kopf,
ein unerschrockener Kritiker, ein gefühlsstarker Mensch.
Schnabel zittert nicht vor Mehrheitsbeteiligungen und Aufsichtsratssitzen. Wanzek übrigens auch nicht: er hat und nutzt sie. Ein Sender genügt ihm sowenig wie eine Zeitung. Auf die Vernetzung kommt es an. Nur mit Netzen, mit möglichst engen Netzen, kann das Publikum gefangen werden. Wo kämen wir hin, wenn Wahlen nicht durch die Medien entschieden würden? Italien ist uns wieder mal ein Stück voraus. Schnabel geht nicht soweit, in Wanzek unseren zukünftigen Kanzler zu vermuten, aber er geht doch so weit, daß uns das Lachen schließlich im Halse steckenbleibt und wir hoffen, es möge Abend werden: Endlich können wir fernsehen.
Dieter Hildebrandt, Deutschlands prominentester und erfolgreichster Kabarettist, wurde 1927 in Bunzlau geboren. Er studierte in München Theaterwissenschaften, gehörte zu den Mitbegründern der »Münchner Lach- und Schießgesellschaft«. Durch seine satirischen Fernsehsendungen »Notizen aus der Provinz« (ZDF; 1973 bis 1979) und »Scheibenwischer« (SFB, seit 1980) sowie durch Bücher wie »Was bleibt mir übrig«, »Wippchen« oder »Denkzettel« wurde er einem Millionenpublikum bekannt.
 


gutes Exemplar, Einband mit normalen altersbedingten Spuren, Autorenautogramm

Artikelnummer: B00044623
Verlag:
Berlin : Verlag Volk und Welt
Gebundene Ausgabe
Artikelnummer:
B00044623
Gewicht:
400 gr