Geliebte fremde Mutter : Karen Jeppes Lebensweg / Alfred Otto Schwede

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  • Ausgabe: 3. Auflage
  • Umfang/Format: 272 Seiten : Illustrationen ; 21 cm
  • Erscheinungsjahr: 1978
  • Schlagwörter: Jeppe, Karen / In der Literatur

Wer war Karen Jeppe? Eine dänische, bei uns weithin unbekannt gebliebene Lehrerin, deren Grabstein nun eben nicht in Dänemark, sondern in Syrien zu suchen ist. War sie etwa eine Schwärmerin, die es in eine orientalische Fremde trieb? Nein — sie war eine bewunderungswürdige Frau, die trotz ihrer schwachen Kräfte ein unübersehbares Zeichen der Liebe und hilfsbereiten Güte setzte, als die vernichtende Maßlosigkeit eines Völkerhasses das Volk der Armenier gänzlich auszurotten drohte.
Karen Jeppe, eine junge, begabte Lehrerin, hätte ein ruhiges Leben führen können — vielleicht auch ein einsames Leben mit einer unerfüllten Sehnsucht. Aber sie konnte dem Ruf der armenischen Waisenkinder in Urfa nicht widerstehen, ja sie fühlte sich persönlich angesprochen, als sie von dieser fremden Not hörte. Als Karen Jeppe im Herbst 1903 —sie war nun 27 Jahre alt und vorher lange krank gewesen — in der Türkei ihre Arbeit aufnahm, begannen nicht nur harte Jahre, in denen sie eine erstaunliche Phantasie und Tatkraft bewies. Es begann auch eine Zeit äußerster Bewährung, die seit Mai 1915 —mit Beginn der wieder erbarmungslosen Verfolgung der Armenier durch die Türken — alle
ihre Kräfte forderte und sie in Lebensgefahr brachte.
„Mutter der Armenier" — so nannten sie die verfolgten, bettelarmen, kranken Menschen, nach deren Bedürfnissen sie fragte, ohne sich um ihre Religionszugehörigkeit zu kümmern. Sie wollte helfen, ohne zu missionieren. Und sie hatte gar keine Zeit zu fragen! Ihr Stück Brot rettete vor dem Verhungern, ihr Verband vor noch schnellerem Sterben, ihr Haus gab Verfolgten einen Zufluchtsort. Wer später in Syrien, zur Zeit des mühevollen Neuanfangs, nicht zu ihr kam, den holten sie und ihre Helfer mit dem „Freiheitsauto". aus Gefangenschaft und Sklaverei. Ihre Stimme wurde in Europa gehört. Ihre Hände baten stellvertretend für die, die alles verloren hatten: ihre Habe, ihre Heimat, ihre Familie — und ihre Hoffnung.
So gab die kleine, kränkliche Frau Tausenden wieder neue Hoffnung, und die fruchtbaren Felder nahe den neuen Dörfern wurden zu sinnfälligen Zeichen dafür. Und auch als im Juli 193 Karen Jeppe starb — erschöpft durch die ständige Überforderung ihres zarten, wenig widerstandsfähigen Körpers —‚ lebte die Hoffnung in einem Volk weiter, dem sie im wahrsten Sinne des Wortes „Mutter" gewesen war.
 

gutes Exemplar, ordentlich
Articlenumber:
B00032002
Weight:
400 gr
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A13