Einleitung
Die in diesem Band zusammengestellten Aufsätze gehen auf Referate im Rahmen des vierten DoktorandInnenseminars der Rosa Luxemburg Stiftung im Mai 2005 zurück. Diese Seminare bringen Stipendiatinnen sehr unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen, fördern also den interdisziplinären Austausch. Der Titel des Seminars — "Geschichte" — diente als weitgefasster Rahmen, in dem die naturgemäß sehr verschiedenen Beiträge der Seminarteilnehmenden gut Platz finden konnten. Fast alle Beiträge analysieren gesellschaftsgeschichtliche Entwicklungen, einige nehmen speziell die Epoche der (kapitalistischen) Industrialisierung und deren Verlängerung in die Gegenwart in den Blick. Eine weitere Verbindung aller Beiträge im Seminar und der hier veröffentlichten Aufsätze bleibt eher implizit: Der Anspruch der Autorinnen, ihre wissenschaftliche Arbeit auf einen humanen und demokratischen Sinnhorizont zu beziehen, gesellschaftliche Irrationalität zu analysieren und Alternativen einzufordern. Für die Publikation haben wir die Aufsätze, die sich nicht zwangsläufig mit den Referaten beim Seminar decken, nach Schwerpunkten gruppiert und hoffen, damit den inhaltlichen Ausrichtungen gerecht geworden zu sein.
Die ersten beiden Artikel greifen historisch am weitesten aus. Antonia Davidovic geht auf die Diskussion um das in gesellschaftlichen wie in wissenschaftlichen Diskursen verwendete Konzept der ethnischen Zugehörigkeit ein, dessen politische Instrumentalisierungsfähigkeit sich in besonders drastischer Weise in der Entstehung von Bürgerkriegen (Ruanda, Ex-Jugoslawien) zeigt. Sie betrachtet die gegenwärtigen kulturanthropologischen Konzepte von ethnischen Gruppen und stellt den Zusammenhang zur Verwendung archäologischen Wissens her. Seit der Entstehung der modernen "Nationalstaaten wird dieses kontinuierlich nachgefragt, um die Konstitution von "Ethnien" wissenschaftlich zu fundieren. Die Autorin analysiert, inwieweit archäologische Erkenntnisse tatsächlich "ethnische Zugehörigkeit" belegen können. Brigitte Knopf beschäftigt sich aus der Perspektive der Klimafolgenforschung ebenfalls mit großen Zeiträumen. Sie stellt den Forschungsstand zur Frage dar, ob der gegenwärtig zu beobachtende Temperaturanstieg ein natürliches Phänomen oder ein Menschengemachtes sei. Ihr Beitrag macht deutlich, mit welchen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht nur ein Klimawandel als solcher, sondern auch die Folgen der im 19. Jahrhundert dynamisierten Industrialisierung als ursächlicher Faktor nachweisbar sind. Da der Temperaturanstieg tatsächlich auf
7
gutes Exemplar, ordentlich
- Edited by
- Boris Friele
- Articlenumber:
- B00077910
- Weight:
- 400 gr
- Storage space:
- A13