Daniil Granin
Zwei Gesichter : essayist. Prosa / Daniil Granin. [Zsgest. u. mit e. Nachw. vers. von Antje Leetz. Aus d. Russ. von Nelly Drechsler ...]
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Die zwei Gesichter des Zaren Peter I., des Schöpfers von Fortschritt und lebendigen Ideen und des Denkmalgötzen, werden für Granin zum Ausgangspunkt von Gedankenketten und Ahnungen: „Das lebendige, denkende Genie Peters, seine aufgeklärten Gedanken, seine Reformen sind Erz geworden; ein Gigant — das heißt ein Idol, das keine Idee, keine Entwicklung verlangt, sondern blinden Glauben... Unbegreiflich, abstoßend und schrecklich ist die Wandlung, die im Verlauf eines Jahrhunderts Peters Werk erfahren hat. Und Peter selbst, der ein Götze wurde. Der Eherne Reiter ist schrecklich, doch zugleich kraftlos, er ist schön und entsetzlich. Er ist der Eherne Reiter."
Den Januskopf der Geschichte, der Menschen und ihrer Werke untersucht Granin in seinen scharfsinnigen Essays über Puschkin, dessen „Mozart und Salieri", Dostojewski und markante Wissenschaftler der Vergangenheit und Gegenwart. Unterschiedliche Zeiten und Persönlichkeiten — das Petersburg Puschkins und das Petersburg Dostojewskis, die Französische Revolution und unsere Epoche — will er in
ihrem Zusammenhang erfassen und in scheinbar zufälligen Begegnungen den „verborgenen Sinn enthüllen, die Sterne zu einem Sternbild vereinen".
Granin gibt keine fertigen Antworten. „Man muß dem Leser mit den Problemen entgegentreten, mit denen man selbst lebt, mit denen man sich quält und herumschlägt und für die man noch keine Lösung hat", verallgemeinert er seine künstlerischen Absichten. Wichtig sei es, „den Widerspruch auszugraben, der im Wesen des Problems liegt, das erregt". Damit folgt Granin seinem Ideal einer „freien Prosa". Er gibt sich seinen Ideen-Gefühlen hin, erfindet eine Erzählung über Bulgarin, dem zu Puschkins Zeiten so erfolgreichen Autor mittelmäßiger Literatur. Die „freie Prosa", schreibt Granin, „ist alles, nur nicht der verfluchte Bewußtseinsstrom, eher der Strom des Lebens, der Poesie, des Grübelns und der Phantasie: Tat und Erinnerung, Beschreibung und Erkenntnis. Könnte ich doch eine solche freie Prosa schreiben, die sich in keine Themen-, Sujet- und Kompositionsschranken hineinpressen läßt."
Widmung des Autors auf dem Titelblatt, gutes ordentliches Exemplar
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