[Werke] ||Günthers Werke : in einem Band / Günther. [Ausgew. u. eingel. von Hans Dahlke]

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EINLEITUNG
IN der Literaturgeschichte spielt Johann Christian Günther eine eigenartige Rolle. Er ist ein Liebling der Literaturhistoriker, weil sich viel Bedeutsames über ihn sagen läßt. Die Urteile über ihn und seine Gedichte sind vielfältigster Art, und fast alle bedürfen der kritischen Überprüfung, weil sie selbst bei kühlster Begründung ein Gran der Legende beibehalten, die sich um sein Leben geschlungen hat. Seit Goethe in „Dichtung und Wahrheit" Günthers literaturgeschichtliche Position zu beurteilen versucht hat, mischt sich immer wieder Übertreibung und Überschätzung aus Freude über sein dichterisches Talent in einer anscheinend poesielosen Zeit mit der Verfälschung aus leise abwehrender moralischer Zurückhaltung. „Er wußte sich nicht zu zähmen, und so zerrann ihm sein Leben wie sein Dichten", hatte Goethe von ihm gesagt, und an diesem einen aus dem Zusammenhang gerissenen und formelhaft erstarrten Satz. aus Goethes Einschätzung entzündete sich immer wieder das psychologische Interesse für diesen angeblich ewig verliebten, verbummelten, frühverstorbenen und daher so liebenswürdigen Studenten. Man suchte das „Ungezähmte" bei ihm zu romantisieren und einen liebenswerten, aber hemmungslosen Vaganten aus ihm zu machen, der die lange Reihe der jugendlichen und eigenwilligen Genies, die Reihe der Lenz und Bürger u. a., anzuführen hatte. Aber man war immerhin in ästhetischer Hinsicht bereits auf die in Günthers Versen so rückhaltlos dargestellten persönlichen Erlebnisse und das zu seiner Zeit völlig neue Selbstbekenntnis des Künstlers in seinen Gedichten aufmerksam geworden. Eine solche Erscheinung in der Geschichte der deutschen Lyrik war damals außergewöhnlich, überraschend und neu, und man sah mit Recht darin die besondere Bedeutung unseres Dichters. Trotzdem gab es noch Fehleinschätzungen genug, die über Günthers enges Verhältnis zur Dichtung seiner Zeit hinwegsehen ließen und vor allem die wahre Leistung dieses Lyrikers verdeckten. Die allgemein verbreitete Unsicherheit über die einzelnen Etappen seines Lebens leistete dem Aufkommen einer zwielichtigen Anekdotik Vorschub, und viele seiner allzu wörtlich genommenen dichterischen Aussagen förderten die merkwürdigsten moralischen Wertschätzungen.
Natürlich hat es die Wissenschaft schon längst übernommen, mit...

gutes Exemplar, ordentlich

Articlenumber:
B00078150
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400 gr
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