Die Strahlen der Morgensonne huschten durch die
Fenster eines großen Pariser Mietshauses. Im zweiten
Stock schwingt der Herr Doktor den Rasierpinsel und
hält dabei stillvergnügte Zwiesprache mit der Büste des
alten Hippokrates: 0, man dieu,. was hat er geschuftet
die letzten Jahre! Aber morgen beginnen seine großen
Ferien.- Sein Sohn besteht heute sein Abschlußexamen
und wird für vier Wochen Vaters Praxis übernehmen. Er
aber wird angeln an irgendeinem kleinen, einsamen
Fluß .
Die Sonne zwinkert vergnügt mit dem linken Auge und
schielt mit dem rechten in die Dachstube des Junior, der
gerade seiner Zimmernachbarin, der blonden und.
charmanten Bernadette, einen' Abschiedskuli nach dem
anderen gibt
Und Banngehen sie in verschiedenen Richtungen davon:
der Senior zu seinen Patienten und der Junior zu seinen
Professoren
Während es dem Doktor gelingt, einem kleinen Jungen
einzureden, er sei schon ein großer Mann und Spritzen,
.
täten gar nicht weh,.wahrend er sich mit einem Wunder-.
doktor herumstreitet, dem es furchtbar peinlich ist, einen
richtigen Arzt in seiner Wohnung zu sehen — während-
alldem rasselt der Junior durch seine Prüfungen
Wie ein begossener Pudel steht er vor der Universitäts-
klinik und nichts kann ihn trösten, nicht die ebenfalls
Durchgefallenen, nicht Bernadette, nicht die' Freunde,
die ihn wegen Bernadette beglückwünschen . : . Der
dazukommende Vater hört -nur die Glückwünsche, und
sein. Herz tut einen Sprung. Sein Sohn ist jetzt Arzt und
morgen, geht's zum Angeln! Er selbst war ja seinerzeit
nicht so solide, er fiel beim ersten Mole durch, wegen
einer kleinen, blonden Freundin. Ö la la . . . Er blickt
der davongehenden Bernadette nach. Dem Junior ist das
Mißverständnis sehr peinlich. Aber der Vater läßt ihn
gar nicht zu Worte kommen. Er nimmt ihn gleich.mit auf
Krankenbesuch, und dann hat 'er, der seinen Patienten
gepflegtes Exemplar, nur kleine Lesespuren, altersgemäß gebräunt, 2-seitiges Faltblatt
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