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Österreich heute : e. Lesebuch / [hrsg. von Georgina Baum ...]

  • Ausgabe: 2. Auflage
  • Umfang/Format: 604 Seiten ; 21 cm
  • Anmerkungen: Lizenzausg. - Ausg. f?r d. DDR.
  • Einbandart und Originalverkaufspreis: : M 16.20
  • Sachgebiet: Belletristik ; 08a Schöne Literatur

Das Vergnügen an Lesebüchern wächst mit der Entfernung von der Pflichtlektüre. Bei „Österreich heute" ist diese Entfernung absolut. Die Anthologie zur jüngeren und jüngsten österreichischen Literatur wurde Lesebuch genannt, weil sie nicht eine Blütenlese sein will, sondern ein Land in literarischen Zeugnissen vorzustellen trachtet. Daß dies ein überaus gewagtes Unterfangen ist, weist der Band selbst aus.
Wie allein ist heute zu bestimmen, das doch wortgeschichtlich nichts anderes bedeutet als: an diesem Tag. Wie weit wirkt das Gestern hinein? Wo und wie zeichnen sich die Konturen künftiger Tage ab? Dies alles sind unumgängliche Fragen. Es sind Existenzfragen jeder Literatur, der österreichischen zumal.
Österreich ist zugleich eines der ältesten europäischen Länder und eines der jüngsten. Österreich war einst ein territorialer Riese und avancierte als solcher zum Paradigma des feudalistischen Völkergefängnisses. Heute ist Österreich mit seinen siebeneinhalb Millionen Einwohnern eines der kleinen europäischen Länder. Erst als solches hat es aus den Verstrickungen der eigenen Vergangenheit, aus dem Zustand des Sich-selbst-nur-noch-Mitmachens, wie Robert Musil das nannte, herausgefunden. Vorbei sind die Zeiten, da ein anderer Österreicher — Karl Kraus — sagen konnte, in der Welt kenne niemand dieses Land, bestenfalls werde es wegen seiner lateinischen Namensform Austria mit Australien verwechselt. Österreich hat heute seine Identität gefunden, und dieses heute meint einen komplizierten Prozeß seit der Gründung der zweiten österreichischen Republik im Jahre 1945 und vor allem seit der Wiedergewinnung der vollen Selbständigkeit und vertraglichen Festlegung der Neutralität im Jahre 1955.
Vom Leiden an all diesen gesellschaftlichen Widersprüchen ist die österreichische Literatur dieses Jahrhunderts in ungewöhnlich hohem Maße bestimmt. Intensiver und nachhaltiger als in fast jeder anderen spätbürgerlichen Lite-
ratur wurde von den Österreichern Hofmann thal, Kraus, Musil, Trakl, Rilke, Werfel oder Kafka der parasitäre Charakter des Kapital mus in seinen Auswirkungen auf die einzeln Individuen erlitten und gestaltet. Die öst reichische Literatur nach dem zweiten Weltkrieg hatte darüber hinaus auch noch die Katastrop an der Seite des faschistischen Deutschland vor Augen. Verzweifelte Trauer bestimmten Nachkriegsdichtungen der jungen Generation
•    von denen die Gedichte eines Paul Celan, eir Gerhard Fritsch oder einer Ingeborg Bachma als unsterbliche Exempel geblieben sind, v überhaupt die eindrucksvollsten Leistungen c österreichischen Nachkriegsliteratur der Lyik vorbehalten blieben. In dieser subjektivst aller literarischen Gattungen konnte die von wiegend individuelle Welterfahrung am nac drücklichsten zum Ausdruck kommen.
Da das österreichische Heute ohne die Ver gangenheit unverständlich bleibt, wurde im vi liegenden Lesebuch der Lyrik relativ grob Raum gewährt, um die letzten dreißig Jahr überschaubar zu machen und zu verdeutliche wie gering sich in der österreichischen Literat die Akzente nur ganz allmählich zu sozial Fragestellungen verschoben.
 

Verlag: Berlin : Verlag Volk u. Welt.

gutes Exemplar, altersgemäß gebräunt, riecht etwas rauchig, Gesamtzustand gut